Die ersten Omnomnomnom Awards für Comics (2017)

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Es ist die Saison der Listen. Sie ist wohl eher fast wieder vorbei, aber da immer noch Comics erscheinen ist es ziemlich schwierig so eine Liste ordnungsgemäß fertig zu stellen. Wir haben nicht wirklich gewählt, ich (Lele) habe die Liste alleine nach meinem eigenen Ermessen zusammengestellt. Diese Comics sind mir in diesem Jahr besonders in Erinnerung geblieben, sie haben mich beim Frühstücken, in der Bahn und in alltäglichen Gesprächen begleitet, ich habe sie eher als andere an andere Menschen verliehen, um ihre Großartigkeit zu verbreiten. Ohne weiteres hin und her, hier sind die Comics die von mir dieses Jahr Omnomnomnom Awards bekommen.







Octopus Pie Vol. 5

Mein guter Freund Tasse meint er würde „aktiv frühstücken“. Das versuche ich auch manchmal, bei mir geht das aber schief. Ich lese stattdessen Comics und esse vielleicht nebenbei. Am besten geeignet, um sich morgens so richtig schön zu verlieren und später rennen zu müssen ist Octopus Pie Vol. 5 von Meredith Gran, mit Farben von Valerie Halla. Octopus Pie war ein Webcomic, ich hatte mir vor Jahren mal die ersten beiden Sammlungen besorgt und dann immer mal wieder reingeschnuppert. Der fünfte Band der Serie, die bei _Image Comics_ ein zweites/drittes Zuhause gefunden hat, ist gleichzeitig der Letzte. Hier ist Meredith Gran an der Spitze ihrer Fähigkeiten. Jede Emotion sitzt, die Panels schweben vor sich hin und auch wenn ich nicht genau weiß was alles davor passiert ist, trifft der Comic mich jedes mal an den richtigen Stellen. Gran macht Dinge mit Stille und Pausen zwischen Panels die magisch sind. Sie führt durch fantastische und bizarre Situationen mit einer unglaublichen Sicherheit und schafft es, jede Träne mit einem Lächeln zu transportieren. Alleine vielleicht nicht ganz das richtige, zusammen mit dem Webcomic oder anderen gesammelten Ausgaben aber eine wunderbare Sache.


The Stone Heart

The Stone Heart von Faith Erin Hicks, Farben von Jordie Bellaire, ist der zweite Teil in der Nameless City Serie. Im April erschienen, hat der Band kurz danach die kleine Runde durch die wichtigen Menschen gemacht und wurde allgemein für großartig befunden. Hicks erzählt eine packende Geschichte vor einem interessanten und vielfältigen Hintergrund. Kaidu und Rat müssen nicht nur mit sich selbst und ihren Mitmenschen, sondern auch mit einer kommenden Verschwörung, geheimen Waffen und drohendem Krieg umgehen. Hicks baut die Mythologie ihrer Welt weiter aus, lässt ihre Charaktere wachsen und liefert einen facettenreichen Bösewicht. Der verflixte zweite Teil einer Serie, der einmal besser ist als der erste und das Warten nur durch wiederholtes Lesen leichter macht. Jedoch deutliches Beileid bezüglich der vielen Dachziegel, die für diesen Comic gezeichnet werden mussten. Der dritte und finale Teil kommt im April (rund) und meine Vorfreude ist in meinem großen Grinsen sichtbar.


What Is Left

Verdammt noch einmal. What is Left ist so VERDAMMT SCHÖN. Jedes Mal, wenn ich das kleine Heft aufschlage, fliegt mir nach fünf Minuten eine Fliege in meinen offenen Mund. Ich bekomme ihn einfach nicht wieder zu, bis die Geschichte vorbei ist und ich seufzen muss, weil sie so schön ist. Es geht um ein Raumschiffunglück und den dabei implizierten Erinnerungsantrieb. Eine ahnungslose Technikerin durchlebt die Erinnerungen der Person, die für die Fortbewegung des Schiffes zuständig war. What is Left war Teil einer Shortbox und wurde von Rosemary Valero-O’Connell geschrieben und illustriert. Ich gebe zu, dass ich beim ersten Mal nicht ganz durchgesehen habe. Sie luftigen, verwobenen Zeichnungen und die warmen Farben haben mich jedoch zurückgeholt, mich gezwungen mir etwas mehr Zeit zu lassen und ich konnte ordnungsgemäß eintauchen. Trotz der kurzen Auszüge, die wir mit Hilfe der Erinnerungen erleben, wächst hier eine runde, komplexe und fantastische Welt. What is Left ist so schön, dass es mir ein Feuer unter meinem Hintern macht, der Comic spornt mich an selbst besser zu werden in dem was ich tue.


Yes, Roya

Wylie Kogan ist ein Künstler am Anfang seines Weges, er schlägt sich mit kleinen Jobs durch und träumt davon für die großen Zeitungen Comics zu zeichnen. So kommt es, dass er einen flammenden Brief an sein Vorbild Joseph Ahlstrom schickt, diesen kennenlernt, eine Skizze stiehlt und kopfüber in eine Dreiecksbeziehung der Extraklasse stürzt/springt. Yes, Roya von C. Spike Trotman und Emilee Denich ist heiß. Es geht viel um Dominanz, um Gefühle, Sex und auch um Comics. Neben der expliziten Beziehung die entsteht, zielt der Comic auf die Cartoon Industrie von anno dazumal und trifft bei jedem Schuss. Diese Review via Oh Joy, Sextoy hat mich auf den Weg in Richtung des Comics gebracht, danke dafür! Ich lese nicht viele Comics aus der Richtung, die es tatsächlich in Papierform und in meiner Sprache gibt, und bin glücklich es hier getan zu haben.


My Lesbian Experience with Loneliness

Wenn ich nicht gerade tieftraurig geseufzt habe, während ich diesen Comic gelesen habe, habe ich mich gefragt was andere wohl über diesen großen Menschen denken, der einen pinken Comic liest, auf dem nackte Frauen, Taschentücher und die Wörter „Lesbian Experience“ stehen? Dann hat mich Nagata Kabi zurück in ihr Leben gezogen. My Lesbian Experience with Loneliness ist autobiographisch und wurde ursprünglich via pixiv veröffentlicht. Der Comic besticht weniger durch exzellente Comickunst oder sonderlich gute Illustrationen, auch der Flow und das Verhältnis von Wort und Bild sind ungewohnt und manchmal etwas holprig. Wo dieses Buch leuchtet ist im Bereich Emotionen, wenn es darum geht die Türen zu einer Depression aufzumachen und diese zu sehen, beinahe mitzufühlen und ansatzweise zu verstehen, dann hat Nagata Kabi den Nagel auf den Kopf getroffen. Es geht um „Self-Harm“, um Angst, um Essstörungen und um sozialen Druck. Dieser Comic ist kein leichter, es fühlt sich auch nicht sonderlich gut an ihn zu lesen, aber er bereichert und erlaubt andere Perspektiven zu sehen und das rechne ich ihm und der Autorin hoch an. Im kommenden Jahr gibt es hierzu übrigens eine Fortsetzung!


Giant Days

Giant Days erzählt die Geschichte von drei College Studentinnen und ihrem direkten Umfeld. Es ist eine sehr britische, sehr lebendige, herzzerreißend gute und traurige Serie. Sie hat Züge einer Sopa Opera. John Allison, Max Sarin, Liz Fleming, Whitney Cogar und Jim Campbell bringen zusammen eine der besten Comics überhaupt auf den Markt. Ich genieße jedes Heft für die abgefahrenen Gesichtsausdrücke, die Interaktionen, die Emotionen und die Spannung die jede gute Soap Opera mit sich bringt. Giant Days hat Gewicht, Charme und trägt eine Kiste voller Tränen mit sich herum, die irgendwann geöffnet wird und ich fürchte mich ein wenig davor. Viele Hefte schaffen es auf eine Kleinigkeit reinzuzoomen und dabei nicht das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Wo Saga mich langsam verliert, bleibt Giant Days nachvollziehbar, ehrlich und so absolut großartig illustriert, dass ich mich riesigst auf jedes Heft freue.


Was sonst noch gut war

Die Liste da oben besteht aus Comics die auch beinahe alle 2017 erschienen sind. Bei Yes, Roya könnten sich die Geister streiten. Ich habe natürlich eine Menge mehr gelesen. Ich habe fleißig weiter One Piece gelesen und muss sagen, dass Oda Kapitel nach Kapitel emotional, actionreich und humorvoll liefert, was ich nirgendwo anders finde. Er schafft es seine abgefahrene Geschichte von einem Gummimann weiterhin mit Gewicht zu versehen. Dann war da Ran and the Gray World (Irie Aki), wunderhübsch, mit einer coolen Story, in sich geschlossen und mehr als ein Moment der Rührung. Zwischendurch habe ich zum wiederholten Male ein Wochenende an die Genshiken (Kio Shimoku) gespendet und bin ein weiteres Mal Beck (Harold Sakuichi) bei ihrer Reise gefolgt. Diese Mangaphasen waren immer unterstrichen von Manben einer grandiosen Serie in der Mangaka bei ihrer Arbeit gefilmt werden. Zuletzt habe ich Natsu no Zenjitsu (Yoshida Motoi) und Otoyomegatair – A Young Bride’s Story verschlungen. Vielleicht ist Manben daran Schuld, diese Manga sehen für mich viel detailreicher und faszinierender aus als es Comics aus den U.S.A. gerade können. Apropros, Wicked & Divine war köstlich, The Wildstorm bleibt undurchsichtig und großartig, die Lumberjanes halten ihre Qualität hoch und Southern Cross hat mich weg gepustet.

Das war ein ein weiteres Jahr Comics. Bei weitem nicht alles und bestimmt nicht alles was wirklich wichtig war, sondern die Dinge die mich begleitet haben und die ich sehr genossen habe. Alles meine, eigene Meinung und nicht die irgendwelcher Anderer. Habt ein großartiges Comicsjahr 2018!

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