Weekly Planet am 1.12.

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Ich weiß gar nicht mehr wie das ist das hier vor 17 Uhr zu schreiben. Abgefahren ist es und schön. Im Hintergrund läuft Radio Etiopia, wir teilen uns einen Tisch und alle sind super produktiv. Von nebenan kommen Stranger Things Geräusche rübergeschwappt. Alles sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Das war die Ausgangssituation. Jetzt sitze ich in der Bib und freue mich aufs Mittagsessen. So kanns gehen.

Let’s Weekly Planet!

Wo fangen wir an? Vielleicht bei Krista Vernoff, die Frau ist quasi Chef von Greys Anatomy, für den Hollywood Reporter hat sie eine Antwort auf die Ausreden von Brett Ratner verfasst. Neben den Einblicken in die Abläufe einer so großen Serie, zerschlägt sie seine, doch sehr dummen, Ausreden in der Luft.

Danach geht es in Richtung Comics. Hier ist ein Comic über Männer in der Comic-Szene. Ach Comics, Jack Kirby hat mal gesagt, dass Comics einem das Herz brechen würden. Vielleicht hat er das gesagt, weil er sein Leben lang von verschieden Verlagen aufs gröbste ausgenutzt wurde und weil er einen anderen, nicht jüdischen, Namen angenommen hatte, um Ernst genommen zu werden. Wenn ich heute über den Satz nachdenke, dann zeigt er wie viel beschissene Dinge in dieser Szene immer noch passieren die einfach nicht sein dürfen. Nachdem es letzte Woche viel um Doomsday Clock ging ist der Ball diese Woche im Hause Marvel. Hier wurde vor kurzem der Editor-in-Chief ausgewechselt. Alex Alonso ist gegangen und C.B. Cebulski hat den Job bekommen. Cebulski ist ein interessanter Dude, er hat viele tolle Talente zu Marvel geholt und dafür gesorgt, dass eine Menge neuer Menschen sich dort austoben können. Er hat aber auch, und das ist echt der Knaller, als „Akira Yoshida“ für Marvel Comics geschrieben.

So a white Marvel writer was a fake Japanese writer named Akira Yoshida? That’s the name of the most popular Anime with the last name of the Japanese X-Man. It’s like naming yourself Cheeseburger Schwarzenegger. While on the subject, please call me Cheeseburger Schwarzenegger.
— Seanbaby (@Seanbabydotcom) November 27, 2017
Hey ein Alias, kein Ding, könnte Mensch da denken. Naja, er hat so getan als ob er Japaner wäre. Und das während er im Haus als Editor gearbeitet hat. Es ist also nicht unfair zu denken, dass ein Editor sich selbst bevorteilen könnte. Sowohl Bleeding Cool, als auch io9 haben ausführlich darüber berichtet. Der Verge Artikel ist auch sehr gut, ebenso ist der Daily Beast Artikel zu empfehlen. Die Debatte ob und wie das nun rassistisch war können wir uns sparen, indem ich hier und jetzt festlege, dass das durchaus rassistisch war was der Mann getan hat. Die verlinkten Artikel illustrieren das. Was mich am Ende wirklich nervt, ist sein Umgang mit der Sache. Dieses „ja, das war eben so, ist ja jetzt auch egal, es ist ja niemand dabei zu Schaden gekommen“ ist echt eklig. Cebulski hat sich den Mantel einer Minderheit im Bereich Comics übergeworfen und als weißer Mann einen Platz eingenommen der ihm nicht gehört. Das ist ein Paradebeispiel für systemischen Rassismus, oder etwa nicht? Damit konfrontiert, hätte er einfach sagen können: „Ja, stimmt, das habe ich gemacht, ich erkenne meinen Fehler und stehe dazu. Ich entschuldige mich und gelobe Besserung.“ Keine Ahnung ob das gereicht hätte, aber dieses rausschlängeln ist beschissen. Ganz davon abgesehen, dass er als „Akira Yoshida“ Comics geschrieben hat, die sowas von Pseudojapanisch waren.

Vielleicht schafft er es das wieder gut zu machen. Erst mal sieht das für Marvel nicht gerade gut aus. Hätten sie locker seichter regeln können. Hier ist zum abreagieren eine Ladung doller Musik. Doubt Mines heißt der Song.

Für positive Gedanken ist hier ein Interview mit Ursula Le Guin. Es folgt eine Geschichte des leisen Lesens. Bei The New Inquiry wird das Versprechen des Grundeinkommens analysiert. Die taz berichtete vor Kurzem von einer Gruppe die versuchte die Washington Post auf den Holzweg zu führen. Interessant wie die Menschen die Zeitungen „Fake News“ an den Kopf klatschen diese selbst produzieren. Diese Bilder von Fahrrad-Friedhöfen in China sind faszinierend, sehr schön und sehr gruselig. Lasst uns diesen Abschnitt mit einem Downer beenden. Hier geht es um unbezahlte Praktika und Sex-Arbeit. Noch nicht genug? Oder braucht es noch was zum aus-dem-Loch-ziehen? Lest Laurie Penny.

Phoebe Bridgers ist der Hammer. Ihr Album Stranger in the Alps ist ein Favorit des Jahres bei meinen Boxen. Weitere hörbare Schätze gibt es bei den Podperlen. Oder ihr gönnt euch einfach die letzten paar Ninja Pirate Podcasts?

DEE Review

Nevermoor von Jessica Townsend (Little, Brown Books for Young Readers )

Morrigan Crow ist verflucht, um sie herum passieren schlimme Dinge. Zum Beispiel verschimmelt die Marmelade in der örtlichen Marmeladenfabrik und natürlich wird ihr das angehängt, sie ist schließlich verflucht. Wie alle Kinder mit einem Fluch wird sie an ihrem 11. Geburtstag sterben. Sie findet das nicht so gut. Sie wünscht sich ein wenig Zuneigung von ihrer düsteren Familie und glaubt nicht wirklich, dass sie Schuld an den verschiedenen Zwischenfällen hat. Dann kommt der Moment des Todes früher als erwartet und ganz ganz anders.

Ein Mann namens Jupiter North bietet ihr eine Alternative, die Teilnahme an einem Wettbewerb. Wenn sie gewinnt, wird sie Teil der „Wundrous Society“ und natürlich nicht sterben, hoffentlich. Jupiter ist großartig, er kommt auf einer gigantischen, mechanischen Spinne daher und hat immer einen guten Spruch auf den Lippen. Sein Humor ist mitreißend und er wird schnell die Vaterfigur, die Morrigan bisher gefehlt hat. Die Reise nach Nevermoor wird eher zu einer Flucht, da den beiden böse Biester auf den Fersen sind. In Nevermoor angekommen, wohlgemerkt als illegal Eingereiste, kommt Morrigan im Hotel von Jupiter unter, im sogenannten Deucalion.

Das Deucalion ist ein fantastischer Ort. Hier kümmert sich eine sehr große, sprechende Katze um die alltäglichen Angelegenheiten. Das Hotel selbst scheint zu leben, es passt sich seinen Bewohnern an und bietet beispielsweise jedem Wesen ein passendes Bett.

Auf dem Weg in die Wundrous Society lernt Morrigan Hawthorne kennen, einen Jungen der auf Drachen reitet, eine Vorliebe für gute Streiche hat und einen absolut großartigen und wahnwitzigen Humor in sich trägt. Die beiden zusammen zu beobachten war eine wahre Freude. Spätestens als die beiden zusammenfinden, nimmt „Nevermoor: The Trials of Morrigan Crow“ so richtig Fahrt auf. Die verschiedenen Aufgaben die Morrigan erfüllen muss, um Mitglied der Gesellschaft zu werden sind innovativ, interessant und unterschiedlich gefährlich. Sie funktionieren, bauen Spannung auf und schaffen es immer wieder neue Teile zum Puzzle hinzuzufügen.

Die Welt die Jessica Townsend geschaffen hat ist zugleich leicht und luftig, aber auch sehr düster. Hier wird mit Regenschirmen von Häusern gesprungen, alle scheinen immer guter Laune und die Gesellschaft erscheint beinahe utopisch. Gleichzeitig erhalten Kinder nur Bildung, wenn sie von einer reichen Person gesponsert werden. Als klar wird, dass Morrigan illegal in Nevermoor ist, ganz davon abgesehen, dass ein erstes Mal so etwas überhaupt Thema wird in einer solchen Geschichte, sind ihr sofort Polizisten auf der Ferse.

Nevermoor ist ein Goldstück, ein kleiner Schatz, ein Grund mehr Kinderbücher zu lesen. Das Goldstück hat aber ein paar rostige Stellen. Townsend bedient sich einer Reihe von Klischees, die mal mehr, mal weniger auffallen und dann auch mal etwas stören. Zum Glück sind die Charaktere so liebenswürdig. Es gibt genug Neues, um über die abgenutzten Szenarien hinwegzukommen. Es ist schließlich das erste Buch von Jessica Townsend, was danach kommen wird, ist hoffentlich mehr eigenes Werk.

Und bevor ich es vergesse, die Bilder auf dem Cover sehen so anders aus als ich mir die Charaktere vorgestellt habe. Brrrr. Filme stehen anscheinend auch an. Schaun wir mal. Die Besprechung basiert auf einem kostenlosen Leseexemplar.

Danke fürs Lesen! Habt eine allerfeinste Woche und genießt das was es zu genießen gibt, seid freundlich zu euren liebsten Menschen und lest ein gutes Buch. Bis dann! Beitragsbild via Raul Lieberwirth.

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