Via New York Public Library & Alen MacWeeney

Ein Hoch auf Fenster – WEEKLY PLANET #103

In Weekly Planetby LeleLeave a Comment

Es stellt sich heraus, dass ein Fenster in der Küche eine gute Sache ist. Wenn es sich öffnen lässt, dann ist es besser. Leider geht das in dieser Wohnung aktuell nicht, an der neuen Balkontür wurden keine Griffe befestigt. Also fix kochen, in der Sauna essen und dann schneller abwaschen. Das hier ist der 103. WEEKLY PLANET und diese zwei Wochen Pause in der Mitte haben ihm gut getan.

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE

  • Wie versprochen, STUTENBISS ist wieder da! Inzwischen zu dritt, sprechen Lili, Paula und Ramona vieeele Dinge.
  • In der Aufnahme vom Ninja Pirate Broadcast von vor einer Weile berichtet Maurice von KISS und Paula von die ärzte.
  • Das Interview mit Great Cynics ist auch ein bisschen älter. Gut ist es immer noch.
  • In der 158. ALL YOU CAN EAT Sendung bewundern wir ein Gewitter und freuen uns an guter Musik.
Ostsee
Dänische Ostsee

The Nickel Boys von Colson Whitehead

Da ist ein Ventilator. Sehr groß stelle ich ihn mir vor. Laut ist er auch, laut genug, als das alle wissen, dass er an ist. Er muss also groß sein. Mit jeder Drehung eines Flügels pfeift ein Gürtel durch die Luft, der an einem solchen Flügel hängt. So ungefähr beschreibt Colson Whitehead in Nickel Boys etwas, das einem der Hauptcharaktere permanente Narben auf den Beinen hinterlassen wird.

Elwood ist für ein Vergehen, das keines ist, an einer „Reformschule“ gelandet. Hier versucht er entgegen Missbrauch und Rassismus an den Lehren von Martin Luther King Jr. festzuhalten und sich nicht unterkriegen zu lassen. Die Gewalt, die Elwood und die anderen Schüler erfahren wird nie explizit beschrieben. Es sind das Netz aus Narben und der lange Aufenthalt im Krankenzimmer, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es sind die zahllosen Gräber, die zufällig entdeckt werden. Und mit denen Whitehead sein Buch beginnt, die die Gewalt auf eine Art nahe bringen, die keine expliziten Beschreibungen benötigt, um ein Gefühl des Grauens hervorzurufen.

Es beruhigt mich beinahe, dass mich diese Art von Gewalt, so trifft. Sie erscheint näher und echter, als die Gewalt in den phantastischen Geschichten die ich sonst lese. Anderswo zerteilen Schwerter Menschen und ich zucke kaum mit der Wimper. Vielleicht ist es die Tatsache, dass es ein Schwert ist oder eine Laserpistole, die so weit weg erscheint von Rassismus und Missbrauch, dass die fehlende Realität einen gewissen Abstand schafft. Nickel Boys reißt diesen Abstand ein, überspringt ihn und ist schnell sehr nahe. Für mich als weißen Menschen sicherlich noch einmal ganz anders und weniger intensiv nah, das kann ich nicht beurteilen.

Whitehead erzählt auf etwas mehr als 200 Seiten die Geschichte zweier junger Männer, die in einem System gefangen sind, das explizit gegen sie entwickelt wurde. Nichts daran erscheint der Realität fern oder phantastisch. Sicherlich ist es Fiktion, aber sie erscheint so fest verankert, dass sie einen Einblick in die amerikanische Geschichte liefert, der so schnell nicht vergessen werden kann. Whitehead orientiert sich dabei an der „Florida School for Boys“, die auch „Arthur G. Dozier School for Boys“ genannt wurde. Diese „Schule“ war von 1900 bis 2011 in Betrieb und eine der größten Orte für „Jugendreform“ in den USA. Hier ein Auszug aus dem Wikipedia Artikel:

Throughout its 111-year history, the school gained a reputation for abuse, beatings, rapes, torture, and even murder of students by staff. Despite periodic investigations, changes of leadership, and promises to improve, the allegations of cruelty and abuse continued.

After the school failed a state inspection in 2009, the governor ordered a full investigation. Many of the historic and recent allegations of abuse and violence were confirmed by separate investigations by the Florida Department of Law Enforcement in 2010, and by the Civil Rights Division of the United States Department of Justice in 2011.[4] State authorities closed the school permanently in June 2011. At the time of its closure, it was a part of the Florida Department of Juvenile Justice.

Eine Kollegin meinte dazu, dass sie gerne bereit ist Colson Whitehead auch durch andere Aspekte der amerikanischen Geschichte zu folgen. Ich möchte mich dieser Reise anschließen. The Nickel Boys ist ein fantastisches Buch, das ich hiermit allen Menschen allerwärmstens ans Herz lege. Es ist wirklich sehr sehr gut.

Das Buch ist bereits auf Deutsch erschienen. Das englische folgt demnächst. Ich habe ein Leseexemplar lesen dürfen.

Via New York Public Library
Via New York Public Library

Lesestoff

  • Einst gab es für Schwarze, die durch den Süden der USA reisen mussten, das sogenannte „Green Book“. Es war eine Art Reiseführer, der dabei helfen sollte freundliche Lokalitäten zu finden und unfreundliche zu vermeiden. Die New York Public Library hat eine Menge der Ausgaben digitalisiert. Auf der Seite kann Mensch auch eine Reise mit Hilfe der Green Books planen. Diese Art von beinahe lebendiger Geschichte kann das Internet sehr gut.
  • Eine Geschichte der Menschheit mit Hilfe von Karten. Die Website ist etwas kantig, aber gut gemacht.
  • Eine Reise durch die Katakomben von Paris.
  • Ein Hammer, der Uber ordentlich zwischen die Beine schlägt.

In reality, Uber’s platform does not include any technological breakthroughs, and Uber has done nothing to “disrupt” the eco­nomics of providing urban car services. What Uber has disrupted is the idea that competitive consumer and capital markets will maximize overall economic welfare by rewarding companies with superior efficiency. Its multibillion dollar subsidies completely distorted marketplace price and service signals, leading to a massive misallocation of resources. Uber’s most important innovation has been to produce staggering levels of private wealth without creating any sustainable benefits for consumers, workers, the cities they serve, or anyone else.

via les animaux tels qu'ils sont
via les animaux tels qu’ils sont

Outro

Letztes Wochenende saß ich zu diesem Zeitpunkt in einem Zelt auf einer Wiese und habe mit tollen Menschen „Stadt, Land, Scheidungsgrund und Pornotitel“ gespielt. Es war wieder einmal ein wunderbares jugendmediencamp. Jetzt schaue ich einen blühenden Kastanienbaum an und überlege, bald das Fenster zu schließen.

Lasst euch nicht unterkriegen. Denkt daran was die Antilopengang einst sagte: „Fick die Uni.“ Auch wenn sie einen manchmal coole Dinge machen lässt.

Bis bald!

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