Cover Foundryside

Klassisches Abenteuer mit Köpfchen – Foundryside von Robert Jackson Bennett

In Bücher zum Lesenby LeleLeave a Comment

Foundryside ist der erste Teil einer neuen Serie von Robert Jackson Bennett. Seine erste Serie ist komplett an mir vorbei gegangen, wurde aber in höchsten Tönen gelobt. Foundryside klang von Anfang an ansprechend und unterhaltsam. Genau so war es dann auch. Wer Lust auf ein aufregendes Abenteuer mit abgefahrenen Ideen und halbwegs komplizierter Magie hat, ist hier genau richtig!

Stellt euch vor ihr könntet etwas auf einen Teller schreiben und dann würde der Teller denken er er wäre angenehm warm. Wenn ihr danach etwas zu Essen drauf packt, dann würde dieses nie kalt werden. Oder ihr schreibt drauf, dass er unkaputtbar ist. Dann denkt er, er sei unkaputtbar und geht daher nicht kaputt. Das ist eine unzureichende aber grob passende Beschreibung der Grundidee von Foundryside von Robert Jackson Bennett. Mit Hilfe von Symbolen und Gravuren werden hier die grundlegenden Eigenschaften von Gegenständen manipuliert.

Das ist eine sehr feine Sache, denn sie erlaubt dieser steampunkigen Welt viel, viel Freiraum für abgefahrene Apparaturen. Das Buch beginnt mit Sancia Grados, einer Diebin, die mit Hilfe einer solchen Apparatur einen Diebstahl durchführt. Sie klebt eine Art Münze an eine Kutsche und springt dann mit einem Ballon von einem Dach. Dabei hält sie einen Stab in der Hand, der der absoluten Meinung ist DIREKT zur Münze zu müssen. So überbrückt sie die Hafenmauer. Nachdem sie ihr Diebesgut in den Händen hält, brennt sie halbwegs aus Versehen den Großteil des Hafens ab und muss erst einmal untertauchen.

Cover zum Trade Paperback von Foundryside.

Diese Art von Eskalation zieht sich durch das gesamte Buch, keine Situation ist lange klein und ungefährlich und es geht von großem Set zu großem Set. Sancias Diebesgut stellt sich als bewusster und lebendiger Schlüssel heraus, der mit anderen gravierten Gegenständen kommunizieren kann. Er überredet beispielsweise gravierte Schlösser sich zu öffnen. Sancia kann aus Gründen, die mit ihrer Vergangenheit und Experimenten mit Gravuren an Menschen zu tun haben, mit dem Bewusstsein des Schlüssels kommunizieren. Die Experimente hatten noch weitere Folgen, die für Sancia meist unangenehm sind. Bald wird sie nicht nur von Attentätern auf der Suche nach dem Schlüssel verfolgt sondern auch vom Chef des Hafens, dessen Ruf ruiniert ist. Es folgen dubiose Allianzen, Verrat und mehrere halsbrecherische Aktionen. Foundryside ist Locke Lamorra ohne die Ausmaße an Herzschmerz, aber mit der Unterhaltung, den ausgefeilten Plänen, die schief gehen und trägt generell dem Herz an der richtigen Stelle.

Bennett nutzt die sehr kapitalistische Gesellschaft von Foundryside für kräftige Kritik an unserer Gesellschaft. Von Geschäftsmännern, die meinen sie würde etwas „disrupten“, bis hin zu Patenten und ihrem zerstörenden Potential ist vieles dabei. Alle bekommen ihr Fett weg und zumindest für mich waren die Analogien nie störend oder predigend. Foundryside macht eine Menge Spaß, weil es eine ernste und eine unterhaltsame Ebene hat. Die ernste ist eben diese Gesellschaftskritische. Die unterhaltsame Ebene beschreibt einen Einbruch nach dem nächsten, Kämpfe ohne Schwerkraft, Explosionen und Freundschaften. Dabei bedient sich das Buch zwar diverser bekannter Situation, wickelt diese aber oft unerwartet ab.

Foundryside ist ein grandioses Urlaubsbuch. Es ist komplex, aber nicht unübersichtlich, es ergibt Sinn, es bietet Gründe für tiefer gehende Überlegungen, fordert sie aber nicht und es ist eine klassische Abenteuergeschichte, in der nie irgendetwas nach Plan geht. Für mich war das genau richtig, es war „ich gehe nicht ins Bett, bis ich fertig bin“ richtig.

Ich habe ein Leseexemplar gelesen, dass ich über meine Arbeit in einem Buchladen bekommen habe. Das Buch ist meines Wissens nach noch nicht als Taschenbuch erschienen. In größer gibt es das Buch aber in jedem guten Buchladen mindestens zum Bestellen. Diese Review ist zu erst im WEEKLY PLANET #101 erschienen.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.