Josephine Baker und Maiden Railways – WEEKLY PLANET #98

In Weekly Planetby LeleLeave a Comment

Heute geht es im WEEKLY PLANET um eine meiner Lieblingsbands, Romanzen in Zügen und um Josephine Baker. Außerdem die üblichen Links zu feinen Dingen und ein Update über unsere Machenschaften. Kaffee ist am Start? Tee geht auch. Los gehts.

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE

Ich habe ein weiteres Interview von 2014 ausgekramt. Diesmal ist es ein Gespräch mit God Damn. Coole Dudes. In der ALL YOU CAN EAT Sendung #153 haben Paula und ich viel neue Musik gespielt. UND „Zitroneneis“, denn eine Sendung ohne ärzte ist keine Sendung. Im neuen NERD FEUILLETON ging es um Spielekonsolen von google, Anime und mehr Anime. Ick fand den jut.

Ewig dankbar für die Zeichnung von Meredith W. Park

Neues Album von The Divine Comedy!

The Divine Comedy hat ein neues Album angekündigt. Danke für den Hinweis an den Vater. Es wird „Office Politics“ heißen und sicherlich zu gleichen Teilen The Office, Zukunft der Arbeit, Automatisierung und Maschinerie sein. Es wird als Doppelalbum beschrieben, kommt jedoch mit einer CD aus. Mir egal, ich bin voller Vorfreude auf ein neues Album der stillen besten Band der Welt. Grund einmal mehr Foreverland anzumachen, um am Ende bei Absent Friends zu landen und einen einsame Träne über Our Mutual Friend zu vergießen. Für mich ist die Band eine, die ähnlich wie die ärzte immer präsent, aber nie im Vordergrund ist. Ich höre sie nicht immer und alltäglich, sondern phasenweise. Dann entdecke ich neue Aspekte, verstehe Texte und denke wehmütig an den Moment, in dem ich das Interview abgeben musste. Hier ist übrigens der neue Song. Er heißt Queuejumper.

Maiden Railways von Asumiko Nakamura

Maiden Railways ist Band mit sieben Episoden, die sich um Romanzen und Züge drehen. Von gescheitertem Taschendiebstahl zu heimlichen Sessions mit einer Modeleisenbahn findet sich hier eine angenehme Sammlung von kurzen Geschichten, die oberflächlich verbunden und wunderschön illustriert sind. Nakamura hat eine beinahe schwebende und luftige Art zu zeichnen. Auf der einen Seite fliegen die rennenden Beine nur so durch die Luft und auf der nächsten steht eine Frau auf der Platform und lässt Münder offen stehen.

Die erste Geschichte dreht sich um eine Taschendiebin, die unfreiwillig Komplizin eines Mannes wird, der glaubt von seiner Frau betrogen zu werden. Danach geht es um eine Schülerin, deren Familie bald nach Deutschland auswandert und die einem Schüler noch einmal ihre wahren Gefühle gestehen möchte. Auf dem Bahnsteig muss sie sich ihrer besten Freundin und dann ihrem aktuellen Freund erklären. Ich möchte jetzt nicht jede Geschichte aufzählen. Sie sind jedoch alle süß, manchmal tragisch, nie schmalzig und tragen eine mal mehr und mal weniger große Liebe für die Züge Japans in sich.

Ich fand die Zeichnungen von rennenden Menschen fantastisch. Sie sind etwas komisch, passen aber ohne Probleme in die etwas ernsteren Situationen.

Im letzten Bild finde ich es besonders cool, wie die tatsächlichen Charaktere mit Hilfe von detaillierteren Klamotten hervorgehoben werden. Gleichzeitig reagieren die anderen und sind mehr als nur bloße Schatten. Der ganze Manga ist so verdammt stylisch…

Stutenbiss der Woche: Josephine Baker

von Paula Georgi

Für viele wird Josephine Baker wohl immer die schwarze Tänzerin mit dem Bananenröckchen sein. Für mich war sie das auch lange, ich wusste zwar vage, dass sie für die Freie Republik Frankreich im 2. Weltkrieg gegen die Nazis spioniert hat, aber was Josephine Baker für eine Person war, wo sie herkam, was sie außer Bananentänzen gemacht hat, war mir lange unklar. Zum Glück gibt es Arte und seine umfangreichen Dokumentationen.

Josephine Baker stammt aus dem tiefen Süden der USA und schloss sich mit 16 Jahren einer reisenden Theatergruppe an. In New York entdeckte sie ihr komisches Talent und als sich die Gelegenheit bot, nahm das arme schwarze Mädchen aus St.Louis all seinen Mut zusammen und schiffte sich Mitte der 1920er nach Europa ein. In Paris wurde sie zu einem gefeierten Star, der durch ganz Europa tourte. Eine irre Karriere, sie wird heute auch als erster schwarzer Weltstar bezeichnet.

Sie wurde zweifelsohne exotisiert, mittels der Kostüme, die sie trug und nicht trug, mittels ihrer Nacktheit und aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Tanzstils. Ich persönlich vergesse das, wenn ich Aufnahmen von Josephine Baker sehe. Ihre Art zu tanzen ist locker, frei von allen Genregrenzen, komisch, sportlich, und verrückt zugleich. Sie bleibt nicht ein Leben lang Tänzerin, aber auf der Bühne. Sie dreht Filme und wird eine erfolgreiche Sängerin. In ihrem Heimatland hat sie eher zögerlich Anerkennung bekommen. Für Josephine Baker war es besonders schmerzhaft, dass das Land aus dem sie stammte, seinen Rassismus nicht im Stande war abzulegen. 1963 war sie die einzige Frau, die beim March of Washington auf Einladung von Martin Luther King sprach.
“I have walked into the palaces of kings and queens and into the houses of presidents. And much more. But I could not walk into a hotel in America and get a cup of coffee, and that made me mad. And when I get mad, you know that I open my big mouth. And then look out, ’cause when Josephine opens her mouth, they hear it all over the world.“

Diverse verschiedene Videos über Josephine Baker, die besagte Doku, ein Eintrag in der Fembio und ein Bericht über die oben genannte Rede.

Paula ist ne coole Socke. Im Internet ist sie unter Anderem hier zu Hause.

https://flic.kr/p/qRWXqx
A technician performs maintenance on a Space Shuttle Main Engine, (SSME) to prepare it for testing at the John C. Stennis Space Center.

Lesestoff

  • Christian Fischer mit einem feinen Gedanken über die Macht von Mädchen über Jungen und einem Stück Geschichte darüber „Mann“ zu sein, oder nicht. Erinnert mich an einen Song von The Gaslight Anthem mit der schönen Zeile „But boys will be boys and girls have those eyes / That’ll cut you to ribbons sometimes / And all you can do is just wait by the moon / And bleed if it’s what she says you oughta do“ (via Draußen nur Kännchen)
  • Langer schöner Essay von Nevil Shute nach Heute. Es geht um Klimawandel. (via nothing here)
  • Timelapse of the Future: A Journey to the End of Time ist ein faszinierendes Video über die Zukunft unserer Galaxie, der Erde und Zeit ganz allgemein. Nehmt euch mal die halbe Stunde und lasst euch in die Zukunft mitnehmen. (via nothing here)
  • Jenny Odell: How to do Nothing / ein schöner Vortrag übers Nichtstun, Zeit, die wir uns nehmen und die uns zusteht und Raben. Sie hat auch ein Buch darüber geschrieben. Und wer das Video nicht schauen will, kann den Vortrag auch lesen. Sie erzählt unter anderem von einem Manifest Maintenance Art, das bei mir ein wenig was in Bewegung gesetzt hat. (gefunden in Austin Kleons Newsletter)

Outro

Es war die letzte Woche in Freiheit. Morgen geht meine Uni wieder los und ich werde jammern bis niemand es mehr hören möchte, also bis ungefähr, uhm, jetzt. Ich habe Bock, ich werde mich gewöhnen müssen. Aber der Rest geht ja auch weiter. Der Newsletter läuft weiter, wir machen weiter Podcasts und Radiosendungen. In Gedenken an das Maintenance Manual, welches Instandhaltung mit Weiterentwicklung gegenüberstellt, meint Jenny Odell, dass etwas schön ist, weil sich Menschen darum kümmern. Wir kümmern uns um DRAGONS EAT EVERYTHING. Und ihr kümmert euch um die Dinge die euch wichtig sind. Es muss sich nicht immer alles vorwärts bewegen. Es kann auch einfach so wie es ist schön sein. Bis bald!

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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