WEEKLY PLANET#49 – FEEDBACK DARF IGNORIERT WERDEN

In Weekly Planet by LeleLeave a Comment

Heute wird etwas kürzer. Ich habe die Woche nicht viel Zeit mit diversen Links verbracht, kaum etwas außer Texte über kulturelle Identität gelesen und generell mehr Zeit mit meiner Nasendusche als mit den großen Weiten des Internets verbracht. Aber ein wenig hat sich trotzdem angesammelt, dass ich hier gerne loswerden würde. Es geht um Kreativität und Twitter, um Fragen die ich mir stelle, um Vero, und um angesammelte andere Dinge. Steigt ein, haltet euch fest und rückt die Lesebrille zurecht. Das hier ist der 49. WEEKLY PLANET!

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE

Wir haben einen Podcast-Feed aus den letzten NINJA PIRATE BROADCAST Folgen gebastelt. Hier werden in Zukunft die Radiosendungen ohne Musik hochgeladen. Die Sendung vom Freitag ist uns ziemlich gut gelungen finde ich, es ging um Elsa, die Femisphere und um The Prince & the Dressmaker. Nächste Woche gibt es eine weitere Folge ALL YOU CAN EAT, also Mittwoch um 18 Uhr das Radio einschalten. Und am Freitag gibt es dann einen neuen NINJA PIRATE PODCAST.

Tötet Twitter Kreativität?

Um, nein. Okay, ich gebe zu, damit ist es nicht getan. Wo ging es los? Bei einem Newsarama Artikel in dem weiße Autoren sich darüber beschweren, dass sie manchmal Geschichten schreiben, die Menschen verletzen, woraufhin sich diese Menschen melden und das mitteilen. In dem Artikel meint Joe Quesada, chief creative officer bei Marvel, dass er gesehen hätte wie Autor* innen auf Grund von „Online Backlash“ Geschichten in der Mitte geändert hätten. Mich hinterlässt das zum einen mit Zweifel bezüglich der Autor*innen und ob sie denn fest an ihre Geschichte geglaubt haben. Das ist an dieser Stelle meine unreflektierte Meinung eines Menschen, der noch nie irgendwas von Bedeutung irgendwo geschrieben hat. Dann ist da Kameron Hurley, die ganz einfach sagt: „You can say NO to your Editor!“ Und ich würde behaupten, dass das hier auch gilt. Wenn Mensch eine Geschichte schreibt und Fans behaupten sie würden das nicht so wollen, dann kann die Person sagen: „Danke für das Feedback, aber ich glaube an meine Geschichte, ich denke sie ist gut und ich werde sie schreiben.“ So funktioniert das doch oder etwa nicht? Wenn jede Person die kreativ schreibt, nach jedem Zweifel sofort aufhören würde, dann hätten wir keine Geschichten. Hier ist Mark Waid, der über sein Buch Strange Fruit spricht:

“If I get criticism of ‘I didn’t like that issue of Flash,’ I can take that or leave that because it’s not personal,” he says. “But when you say to me, ‘You, as a writer, are doing me an injustice as a member of this race or this gender,’ then it is more personal. I’m sure it’s not meant to be personal, but you can’t help but take that to heart because we’re all trying to do our best to get it right and not piss anyone off and be socially aware. And there’s so much criticism on Twitter that you can feel as if you have to bob and weave to avoid it. You tend to tone down the things you were going to do, take the edge to some of your work. You ask, ‘Is this going to be offensive to this group or that group?’”Mr. WordPress

Hier ist eine solche Review, die Waid’s Comic mit guten Gründen kritisiert. Als Reaktion wäre ein „Danke, ich gebe mir Mühe das beim nächsten Mal besser zu machen!“ angebracht und kein „Ich habe Angst sowas zu machen!“. Verdammt noch mal, es ist okay sich nicht sicher zu sein, dafür gibt es Feedback. Und es ist okay mal etwas falsch zu machen, dafür gibt es ein zweites Mal. Es ist nicht so als ob sich Mark fucking Waid Sorgen um seine Zukunft machen müsste. Wenn er nicht gerade anderen Menschen bei Twitter Gewalt androht, schreibt er sehr beliebte Comics. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf den Essay von Kameron Hurley zurückgreifen:

The truth is you are never going to write the Perfect Book that will be Universally Loved by All. What you can do is work with experts and editors to get as close to writing the book you want to write as possible. That’s it. If your editor recommends a “sensitivity reader” you can be like, “HELL NO FUCK THAT I WILL WRITE THE UGLIEST RACIST TROPES I WANT” and they’ll be like… uhhhhh OK? Because hey, if you want to die on that hill, you go for it. And yes, sure, an early reader may be like, “Hey! I told this writer there were problems and they didn’t listen!” and share that with the world, the same way you shared your book with the world! That could also happen! And you know what? That isn’t censorship either. That’s people saying true things on the internet. Which happens rarely enough these days that we should just celebrate any sort of truth telling at all.Kameron Hurley

Davon abgesehen, was ein Konzern wie Marvel politisch für eine Meinung vertritt. Als einzelne Autoren könnten sich diese Menschen überlegen auf bestimmte Dinge zu achten. Feedback ist in sich selektiv, ich kann mich entscheiden gewissem Feedback den Finger zu zeigen und wenn ich für Marvel schreibe, dann sollte ich vielen Dingen den Finger geben. Ich schätze es ist außerdem interessant, wie sicher diese Herren sind. Ta-Nehisi Coates (Between The World & Me, 8 Years in Power & diverse Black Panther Comics) hat tatsächlich Ehrfurcht, wenn nicht sogar Angst davor Captain America zu schreiben. Er scheint die Sache mit Respekt anzugehen und dieser Respekt sorgt dafür, dass er unsicher erscheint. Ich glaube aus dieser Herangehensweise entsteht ein besserer Comic, als aus der absoluten Sicherheit unanfassbar zu sein. Es erscheint mir wichtig, sich selbst als fehlbar zu sehen. Gepaart mit dem Vertrauen in die Geschichte die Mensch erzählen möchte, passiert die wahre Magie.

10 Fragen im Buchhandel

  1. Darf ich meine Meinung zu einem Buch äußern, ohne danach gefragt zu werden?
  2. Wenn alle Welt ein Buch voller rassisstischer, frauenfeindlicher und beschissener Ideen kauft, sollte das Buch dann bei „Recommended“ stehen?
  3. Darf ich tief seufzen, wenn jemand das Buch kauft, auch wenn all mein Wissen über besagtes Buch aus einem einzelnen Guardian Artikel stammt?
  4. Muss ich Menschen darüber aufklären, was genau sie da kaufen?
  5. Darf ich sowieso nur auf Nachfrage eine negative Meinung äußern?
  6. Ist es das was sich „verkaufen“ nennt?
  7. Wie passt das auf meinen moralischen Kompass?
  8. Wenn mich jemand fragt, ob Matilda ein Buch für eine sensible Sechsjährige sein könnte, darf ich dann von Nägeln und Kindesmissbrauch erzählen? Warum nicht?
  9. Wenn die Mutter einen Comic für ihren Sohn kauft, in dem Captain America ein Nazi ist, darf ich dann etwas sagen, oder sollte ich still bleiben?
  10. Ist es verwerflich, dass ich Menschen, die einen „nicht-deutschen“ Namen haben, auf Englisch anspreche?

via Maeril

Diverse Dinge

Twitter kann den Ban-Hammer auf Nazis niederschlagen lassen, klar. Wollen sie auch? Terry Goodkind ist ein Idiot. Ladet bloß nichts bei Vero hoch. Vero verheißt nichts gutes. Besonders mag ich die „wir dürfen alles was ihr hier postet ohne Royalitäten frei verwenden“ Klausel in den AGBs von Vero. Peter Thiels Palantier hat heimlich New Orleans genutzt, um „predictive policing“ zu testen. In den Augen großer Tech Giganten erscheint das ultimative Start-Up als eine Stadt. Donald Glover kann euch nicht retten. Ein Papers, Please Kurzfilm ist genau so gruselig und atemberaubend wie das Spiel selbst.

Adieu

Bleibt stark, gesund und trinkt ordentlich viel Wasser und Tee. Das mache ich jetzt. Vielleicht ein Stück Käsekuchen dazu? Klingt nach einem Plan. Lasst euch nicht ärgern!

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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