WEEKLY PLANET #62 – AROUND THE CORNERS CORNER COMES…

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Willkommen zu einem weiteren WEEKLY PLANET. Es gab eine kurze waldsieversdorfbedingte Pause. Jetzt ist hier alles aber wieder eingerastet und bereit mit neuem Schwung loszulegen. Es gibt zwei Buchkritiken, eine Menge Links und einen kleinen Downer. All das und mehr, im WEEKLY PLANET #62!

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE!

Ihr könnt euch den NINJA PIRATE BROADCAST vom 22.06.2018 anhören. Danach empfehle ich direkt NERD FEUILLETON #5! Davon abgesehen ist Paula hart am schuften und schneiden. Es ist ein weiteres Podcast Projekt in einer Pilotphase und wir basteln ständig an Allem rum. Wirklich coole Menschen folgen übrigens NERD FEUILLETON bei Twitter!

Lesezeichen

Sich Chips auf den Schreibtisch zu stellen, war ein Fehler.

Uff

Atom, das Programm mit dem ich das hier schreibe, hat aus „Uff“ sofort „suffragettes“ gemacht. Ich denke ich habe das Programm gut trainiert. Eben habe ich Nagata Kabi’s My Solo Exchange Diary zuende gelesen. Die Fortsetzung zu My Lesbian Experience with Loneliness springt mir also gerade im Kopf umher und macht ein Loch auf.

Review: My Solo Exchange Diary von Nagat Kabi

Ein „Solo Exchange Diary“ ist ein Tagebuch, das eine Person an sich selbst schreibt. Es ist als ob ich einen Brief an mich selbst schreiben würde. In diesem Manga ist das Ganze irgendwie etwas meta. Ein Tagebuch, dass erst als Thumbnails existiert und zu einem Redakteur wandert, danach gezeichnet wird und immer noch so unglaublich persönlich erscheint. Kabi schreibt an sich selbst, versucht sich selbst aus ihrer Depression und ihren Problemen zu hieven. Sie beschreibt ihre Abhängigkeit von ihren Eltern und spezifisch ihrer Mutter in ergreifenden Details, zeichnet sich an den Beinen ihrer Eltern nagend. Sie versucht von ihren Eltern loszukommen, alleine zu wohnen und auf eigenen Beinen zu stehen. Die Seiten in denen sie beschreibt wie ihr Körper auskühlt, weil sie keinen körperlichen oder sozialen Kontakt zu anderen Menschen hat ist schwer zu ertragen. Danach ihre Beschreibung einer unabhängigen Person zu lesen, in ihren Augen eine Person die sich auf andere Menschen verlassen kann und auf die sich andere Menschen verlassen ist eine Kombination die im Magen zu schmerzen droht. Kabi versucht verzweifelt sich selbst dazu zu motivieren aus ihrer Grube zu steigen, schafft es und findet neue Probleme. Unter anderem in ihrem neu gewonnenen Erfolg, den ihr das erste Buch My Lesbian Experience with Loneliness gebracht hat. Als ich die Reaktionen der Eltern auf das Werk ihrer Tochter gelesen habe, wollte ich ihnen eine klatschen.

Die Tatsache, dass all das auf einem Tagebuch basiert ist Fluch und Segen zugleich. Das Tagebuch erscheint ehrlich, bedrückend und ernst. Es kommt mir vor als ob die Zeichnungen später dazu kamen und selten in sich Geschichten erzählen. So ist das weniger ein herkömmlicher Comic in dem Bild und Zeichnung gemeinsam eine Geschichte erzählen oder mal nur Bilder sprechen. My Solo Exchange Diary würde auch in einfacher Textform funktionieren, aber sicherlich viel einbüßen. So wenig die Zeichnungen alleine stehen, so wichtig sind sie doch für das Buch. Sie illustrieren Gefühle, geben Aussagen Gewicht und bleiben stecken, während die Worte verblassen. Besagtes Bild in dem Kabi an einem elterlichen Bein nagt, kommt mir immer wieder ins Gedächtnis. Im Nachhinein bin ich an Sketchnotes erinnert, vielleicht ist das eine gute Beschreibung für große Teile des Buches. Für mich funktioniert das manchmal mehr und manchmal weniger. Es gibt Momente in denen sich Bild und Text perfekt ergänzen und andere in denen die Kombination verwirrt.

Wer mit dem ersten Werk von Nagata Kabi etwas anfangen konnte und vielleicht so wie ich in der Bahn saß und tief seufzte, wird auch mit dieser Fortsetzung eine Art Katharsis oder einen tiefen Fall erleben. Mich hat My Solo Exchange Diary zum Denken angeregt, ich habe Verbindungen zu Der Ursprung der Liebe von Liv Strömquist gezogen und über meine eigenen Abhängigkeiten nachgedacht. Sei es die zu Feedback, zu Familie, zu Freunden. Ich habe mich in einigen wenigen Abschnitten wiedergefunden und schaue mal was ich da mache. My Solo Exchange Diary ist wichtig und ich bin dankbar es gelesen zu haben. Depressive Comics ahoi, wenn es einen Preis in dem Bereich gibt, dann nominiere ich Nagata Kabi.

My Solo Exchange Diary von Nagata Kabi ist bei Seven Seas erschienen. Die kopie habe ich selbst erworben. Jeder gute Buch/Comicladen sollte den Manga haben.

Uff Vol.2

Zu Nagat Kabi lief Phoebe Bridger’s Strangers in the Alps. Das passt, ein grandioses Album. Sie spielt am 12.08. in der Kantine am Berghain und ich sollte mir ein Ticket zulegen, will wer mit? Wenn ich an besagten Comic denke, dann fällt mir ein Blog-Post von Austin Kleon ein. Er zitiert William Styron und sein Buch Darkness Visible. Das habe ich danach auch gelesen. Als Person die versucht Depression zu verstehen, hat es mir durchaus geholfen und ist in sich ein faszinierendes und schweres Buch. Das Buch hat kaum 80 Seiten und liest sich sehr gut.

Depression is a disorder of mood, so mysteriously painful and elusive in the way it becomes known to the self—to the mediating intellect—as to verge close to being beyond description. It thus remains nearly incomprehensible to those who have not experienced it in its extreme mode, although the gloom, “the blues” which people go through occasionally and associate with the general hassle of everyday existence are of such prevalence that they do give many individuals a hint of the illness in its catastrophic form.

Ich bin Freitag Abend durch den Mauerpark nach Hause gegangen, weil zwei Jungs in der Tram mittelmäßige Rap Musik mit allen teilen wollten. Es ist ziemlich schön da, so gegen 20:30 Uhr scheint einem die Sonne viel ins Gesicht, wenn man von der Kastanien Allee kommt. Ich erinnere mich an Abende im Birkenwäldchen, mit Bier und Grillen. Jetzt machen das andere, die aussehen wie 12 und sich über Holundersekt streiten. Ich war zum einen froh meine Ruhe zu haben und ein wenig neidisch. Psst. Mein Bier wirkt.

Review: Old Man’s War von John Scalzi

Old Man’s War war Scalzis erstes Buch. Er hat vieles von damals behalten, das Buch ist zügig, relativ simpel, faszinierend in seinen Ideen und sehr unterhaltsam. John Perry ist 75 und weil ihn auf der Erde nichts mehr hält geht er zum Militär. Die Kolonialen Verteidigungskräfte bieten Rentnern ein zweites Leben, und was für eins! Das Buch gehört in die Kategorie „military sci-fi“ und hält sich nicht zurück. Die alternden und plötzlich wieder jungen Menschen werden früh mit der Möglichkeit konfrontiert, bald ihr Leben zu verlieren. Das Buch ist kurz, schnell, voller Action, leicht und irgendwie ohne wirklichen Höhepunkt. Ähnlich wie Sclazi’s andere Bücher, die ich gelesen habe, Head-On und The Collapsing Empire ist das Mittendrin schöner als das Ende. Seine Bücher sind zugänglich, sympathisch, gerne voller Kritik an laufenden Systemen und gut geschrieben. Als Military-SF kann Old Man’s War meiner Meinung nach nicht mit Gaunts Geistern von Dan Abnett mithalten, aber das kann eh kaum einer: Ein tolles Sommerbuch.

via Jonas

Over and Out

Die Chips sind beinahe alle. Das Wasser muss aufgefüllt werden und mir fällt nichts weiter ein. Die Welt dreht sich, wir sitzen hier fest, also lasst uns das Beste daraus machen. Und denkt daran, zu manchen Menschen muss Mensch nicht höflich sein.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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