TIMES LIKE THESE VON DAVID ZIGGY GREENE – COMICREPORTAGEN ÜBER DAS LEBEN

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Scene & Heard sind journalistische Comicreportagen von David Ziggy Greene, die regelmäßig im Private Eye Magazine zu finden sind. Times Like These wiederum fasst Reportagen von 2011 bis 2017 in einem Buch zusammen und ist dabei erleuchtend, ernüchtern, gruselig, faszinierend und sehr unterhaltsam. Comics die Tür und Tor zur britischen Lebenswelt öffnen.

David Ziggy Greene

Anfang des Jahres habe ich Necessary Trouble von Sarah Jaffe gelesen. Ein großartiges Buch über zivile Wiederstandsbewegungen und Organisationen in den U.S.A. die sich für ihre Rechte, Mindestlöhne und faire Bedingungen einsetzen. Es war für mich ein Einblick in die Bewegungen die einen wichtigen Teil der amerikanischen Politik bestimmen. Scene & Heard hat einen ähnlichen Effekt auf mich gehabt. Es geht hier um Groß Britannien, um Demonstrationen, Obdachlose, Suppenküchen und den Erhalt von Bibliotheken. Aber auch um Sicherheitsmessen, Vape Conventions und Gartenschauen. Greene illustriert jede dieser Veranstaltungen auf einer Seite, indem er verschiedene Teilnehmer*innen zu Wort kommen lässt. Die Aussagen der Menschen wird mit Darstellungen des Ortes gemischt. Die Comics bekommen eine Art Interviewcharakter, der ihnen notwendige Seriösität verleiht und dem Ganzen eine beeindruckende Ernsthaftigkeit verleiht. Sie lesen sich wie ein guter Reportageartikel, sind knapp, essentiell und nah dran. Greene zeichnet die Menschen lebensnah und doch cartoonisiert.

Ich habe öfters den Kopf geschüttelt, wenn Menschen in den Comics dumme Dinge sagten, hatte aber nie das Gefühl, dass sich der Comic über sie lustig macht.
Wenn es beispielsweise um eine Glücksspielmesse geht, dann fangen die wenigen, sehr detailreichen Illustrationen die Veranstaltung genau so ein wie ich sie mir vorstelle. Generell sind die Hintergründe oft sehr detailliert. Es gibt keine Panels, die einzelnen Aussagen sind lose verknüpft, was manchmal dazu geführt hat, dass ich nicht sicher war wo ich anfangen sollte. Oft bauen die einzelnen Aspekte jedoch nicht direkt aufeinander auf und erlauben so den Comic von verschiedenen Seiten aus anzufangen.

David Ziggy Greene

Ich frage mich wie diese Comics auf Briten wirken, ob vieles bekannt vorkommt. Als Außenstehender sind mir viele Aspekte und Details unbekannt. Gleichzeitig bin ich voller Ehrfurcht vor den Menschen, die sich so engagiert für eine Sache einsetzen. Hier geht es um einen Mindestlohn, um Aufenthaltsgenehmigungen und oft um die Wohnsituation in großen britischen Städten. Die Comics zeigen die Folgen von Sparpolitik und Austerity auf einnehmende Art und Weise. Für mich stellt jeder dieser Comics eine Art Startpunkt dar. Von hier aus kann jede Person sich weiter informieren. Jetzt weiß ich beispielsweise um die Feminist Library und finde sie verdammt cool. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich wie mich Scene & Heard an meine eigene Blase erinnert, wie sehr ich keine Ahnung von politischen Bewegungen habe, die um mich herum stattfinden. Und ich frage mich ob das so bleibt oder sich irgendwann ändert?

David Ziggy Greene

Ich wollte oft tiefer einsteigen, mehr als nur eine Seite an einer Stelle, bei einer Demo verbringen. Und ich möchte das Buch als Buch in der Hand halten, um mehr Aufmerksamkeit spenden zu können. Ich durfte eine PDF lesen, die einfach nicht die selbe Ruhe und Konzentration zulässt, die das tatsächliche Buch vielleicht erlauben würde. Ich kann deshalb auch nichts über die Aufmachung des finalen Produkts sagen. Ihr findet restliche Arbeiten von David Ziggy Greene auf seiner Website. Es gibt sogar Konzertkritiken! Das Buch selbst ist bei September Publishing erschienen. Jeder gute Buchladen sollte es euch bestellen können.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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