The Ruin of Kings von Jenn Lyons

In Bücher zum Lesenby LeleLeave a Comment

The Ruin of Kings ist ein heiß erwartetes Fantasy Epos von Jenn Lyons. Es ist ein Buch, das Zeit verlangt und etwas schnittiger sein könnte. Ihr braucht gerade was großes mit Drachen und Verschwörungen? Greift zu. Lest euch trotzdem durch, was ich sonst noch dazu zu sagen habe.

Kihrin hat es nicht leicht. Er wurde versklavt, sein Vater ist nicht sein Vater, er sitzt in einer Zelle und ihm gegenüber steht eine Gestaltenwandlerin, die seine Liebsten aufgegessen hat. Als sie einen Stein rausholt und ihm anbietet alles zu erzählen, die ganze Geschichte, lässt er sich relativ leicht überreden und so beginnt The Ruin of Kings. Der Stein nimmt die Unterhaltung auf. Kihrin und Talon erzählen wie alles begann und am Ende in die Luft geflogen ist. Dass es in die Luft fliegt wissen wir, weil wir den Text lesen, den ein gewisser Thurshivar D’Lorus mit Hilfe der „Aufnahme“ aufgeschrieben hat, um bei einem Herrscher um Nachsicht gegenüber Kihrin zu bitten.

The Ruin of Kings von Jenn Lyons ist groß, 542 Seiten lang und sehr komplex. Kihrin und Talon wechseln sich in ihren Erzählungen ab. Während Kihrin anfängt, als er als Sklave verkauft werden soll, fängt Talon weit am Anfang an und erzählt wie Kihrin überhaupt Sklave wurde. Da Talon andere Menschen in sich aufnimmt, nachdem sie verspeist wurden, wechselt die Perspektive in ihren Erzählungen und blickt eher von außen auf unseren Helden.

In Deutschland ist das Cover übrigens rot.

Kihrin ist adeligen Blutes, weiß davon nichts und will auch nichts damit zu tun haben. Er arbeitet lieber als Dieb. Eines Tages kommt raus, dass er der Erbe eines königlichen Hauses ist, seine Familie wird getötet und er muss umziehen. Bis auf einige Ausnahmen sind alle ziemlich beschissen zu ihm. Er hat außerdem die Beschwörung eines Dämons beobachtet und stellt fest, dass sein neuer „Vater“ tief in die Beschwörung verwickelt ist. Dieser Teil der Geschichte dreht sich um die Intrigen und die Erlebnisse des Heldens am Hofe.

Im anderen Strang erzählt Kihrin wie er aus der Sklaverei befreit wird Er singt so gut, dass ein Drache ihn für seine Sammlung haben will. Stellt fest, dass er Teil einer großen Prophezeiung ist und ihm niemand irgendwas sagt, bis er mit dem Fuß aufstampft und so lange dumme Dinge anstellt, damit ihm gesagt wird was los ist. Am Ende gilt es mit neuen Freund*innen das vermeidliche große Böse zu besiegen.

Wenn nicht von Anfang an klar wäre wo beide Stränge hinführen, dann wäre das Buch durchaus sehr spannend gewesen. So ist klar, dass Kihrin in Gefangenschaft landet, dass die Hauptstadt niederbrennt, dass er versklavt wird und es geht eher um die Details als um das große Ganze. Und in diesen Details hat Jenn Lyons eine sehr faszinierende Welt geschaffen. Da sind Götter, die unter den Lebenden wandeln. Dämonen, Drachen, Tentakelmonster, Seelen, die den Körper wechseln, und Steine, die letzteres ermöglichen. Leider ist all das in meinen Augen so kompliziert, dass ich am Ende nur noch nicken konnte. Frei nach dem Motto, die Charaktere sind erschüttert, also bin ich das jetzt auch, auch wenn nur ganz grob erahne warum eigentlich.

Hinzu kommt, dass ich keine wirkliche Entwicklung der Charaktere feststellen konnte. Kihrin wird von einem halbwegs fähigen, charmanten und immer neugierigen Jugendlichen zu einem sehr fähigen, charmanten und immer neugierigen Mann. Am Anfang werfen sich beinahe alle Frauen, die er trifft um seinen Hals und am Ende sind von diesen Frauen kaum noch welche im Spiel. Ein paar sind tot, ein paar treten einfach nicht mehr auf. Das kann zwar die Brille sein, die ich in letzter Zeit trage, aber gestört hat es mich trotzdem. Ist es komisch, dass in einer solchen phantastischen Welt, die sich in einigen Punkten auch sprachlich von unserer unterscheidet, die selben Worte für alles verwendet werden? Wenn hier von „gender“ und „misogyny“ oder „gender work balance“ gesprochen wird, dann finde ich das thematisch cool und wichtig, wünsche mir aber, dass die Sprechenden nicht klingen wie meine Freund*innen, sondern wie Bewohner*innen eines phantastischen Kontinents auf dem Drachen ihr Unwesen treiben.

Ich wünschte das Buch wäre nur halb so lang gewesen. Ich wünschte es hätte mehr Zeit in spannenden Situationen und der Beziehung zwischen Charakteren verbracht. Ich hätte mich gefreut einige Charaktere mehr als einmal zu treffen. Ich wünschte es hätte mir seine Magie erklärt und es wäre nur eine Geschichte gewesen und nicht bis zum Ende zwei, bei denen ich beide Enden schon kannte, nachdem die erste Seite gelesen war.

Ist The Ruin of Kings ein schlechtes Buch? Nein. Ist es auf sämtliche Fallen getreten, die sich bei mir als Pet Peeves eingenistet haben? Absolut. Wer Lust auf ein großes phantastisches Epos hat, mag gerne zugreifen und sollte sich beim Lesen Zeit nehmen. Es massiert das Bedürfnis nach epischer Fantasy ziemlich gut. Das nächste große Ding, welches die Welt verändert, das ist es in meinen Augen nicht. Aber es ist auch das erste Buch von Jenn Lyons und ich möchte gerne lesen, was sie zusammen mit einem gnadenloseren Lektoren schreibt.

Ich durfte ein Leseexemplar von The Ruin of Kings lesen. Das Buch erscheint offiziell am 5.2. bei TOR. Es wird gemunkelt, dass es schon im Freien gesichtet worden wäre. Nicht das ich davon irgendetwas wüsste. Auf tor.com könnt ihr die ersten 13 Kapitel des Buches kostenlos lesen.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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