All hail Surveillance Capitalism – WEEKLY PLANET #89

In Weekly Planetby LeleLeave a Comment

Dieser WEEKLY PLANET liefert Interviews über Surveillance Capitalism, Texte in Emo Songs, ein durchwachsenes Fantasy Buch namens The Ruin of Kings und grüne Architektur.

Kopf über in das Wasser. Wie immer.

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE

Im 19. NERD FEUILLETON war der Clemens nach einer großen Pause wieder mit dabei. Wir haben über Marie Kondo, Spider-Man, die Public Domain und eine Menge mehr gesprochen. Es ist schön, wieder zu dritt zu podcasten. Paula hat die 148. Sendung ALL YOU CAN EAT ohne mich moderiert und sehr viel coole und neue Mukke gespielt. Die Playlist könnt ihr hier anhören. Für das ALL YOU CAN EAT Interview der Woche habe ich das Gespräch mit I Love Your Lifestyle ausgegraben.

Lesestoff

Ich höre das, was Spotify mir gerade empfiehlt. Es ist gut. Dieser Algorithmus agiert aktuell auf Basis der Playlists, die mit dem DRAGONS EAT EVERYTHING Account erstellt wurden. Eine relativ sichere Bank also.

  • Die Superreichen von Davos halten nichts von einer 70% Steuer für Reiche / wer hätte das gedacht?
  • I tried to block Amazon from my life and it didn’t work / da ist viel spannendes drin, aber hey, wenn Mensch sich ALLES bei Amazon bestellt, dann ist es klar, dass das nicht funktioniert. Sind das die selben Menschen, die sich über Gentrifizierung beschweren, die sich ihre Lebensmittel von einer großen Kette liefern lassen?
  • Jessica Hopper über die Abwesenheit von Frauen in Emo-Rock Musik / der Artikel ist von 2015 und hält mir einen wundervollen Spiegel vor die Nase

Women in emo songs are denied the dignity of humanization through both the language and narratives, we are omnipresent yet chimerical, only of consequence in romantic settings. … Us girls deserve more than one song. We deserve more than one pledge of solidarity. We deserve better songs than any boy will ever write about us.

  • Der Blog Filmlöwin liefert feministische Filmkritik
  • Ein weiterer Artikel über „Surveillance Capitalism“

Users might get “ownership” of the data that they give to surveillance capitalists in the first place, but they will not get ownership of the surplus or the predictions gleaned from it – not without new legal concepts built on an understanding of these operations.

Much of the focus on smart cities has been geared towards surveillance or sociological efficiencies, but data-driven technology could be used to drive and support urban ecosystems, minimising waste and energy and maximising growth.

via Ver
Review: The Ruin of Kings von Jenn Lyons

Kihrin hat es nicht leicht. Er wurde versklavt, sein Vater ist nicht sein Vater, er sitzt in einer Zelle und ihm gegenüber steht eine Gestaltenwandlerin, die seine Liebsten aufgegessen hat. Als sie einen Stein rausholt und ihm anbietet alles zu erzählen, die ganze Geschichte, lässt er sich relativ leicht überreden und so beginnt The Ruin of Kings. Der Stein nimmt die Unterhaltung auf. Kihrin und Talon erzählen wie alles begann und am Ende in die Luft geflogen ist. Dass es in die Luft fliegt wissen wir, weil wir den Text lesen, den ein gewisser Thurshivar D’Lorus mit Hilfe der „Aufnahme“ aufgeschrieben hat, um bei einem Herrscher um Nachsicht gegenüber Kihrin zu bitten.

The Ruin of Kings von Jenn Lyons ist groß, 542 Seiten lang und sehr komplex. Kihrin und Talon wechseln sich in ihren Erzählungen ab. Während Kihrin anfängt, als er als Sklave verkauft werden soll, fängt Talon weit am Anfang an und erzählt wie Kihrin überhaupt Sklave wurde. Da Talon andere Menschen in sich aufnimmt, nachdem sie verspeist wurden, wechselt die Perspektive in ihren Erzählungen und blickt eher von außen auf unseren Helden.

Kihrin ist adeligen Blutes, weiß davon nichts und will auch nichts damit zu tun haben. Er arbeitet lieber als Dieb. Eines Tages kommt raus, dass er der Erbe eines königlichen Hauses ist, seine Familie wird getötet und er muss umziehen. Bis auf einige Ausnahmen sind alle ziemlich beschissen zu ihm. Er hat außerdem die Beschwörung eines Dämons beobachtet und stellt fest, dass sein neuer „Vater“ tief in die Beschwörung verwickelt ist. Dieser Teil der Geschichte dreht sich um die Intrigen und die Erlebnisse des Heldens am Hofe.

Im anderen Strang erzählt Kihrin wie er aus der Sklaverei befreit wird Er singt so gut, dass ein Drache ihn für seine Sammlung haben will. Stellt fest, dass er Teil einer großen Prophezeiung ist und ihm niemand irgendwas sagt, bis er mit dem Fuß aufstampft und so lange dumme Dinge anstellt, damit ihm gesagt wird was los ist. Am Ende gilt es mit neuen Freund*innen das vermeidliche große Böse zu besiegen.

Wenn nicht von Anfang an klar wäre wo beide Stränge hinführen, dann wäre das Buch durchaus sehr spannend gewesen. So ist klar, dass Kihrin in Gefangenschaft landet, dass die Hauptstadt niederbrennt, dass er versklavt wird und es geht eher um die Details als um das große Ganze. Und in diesen Details hat Jenn Lyons eine sehr faszinierende Welt geschaffen. Da sind Götter die unter den Lebenden wandeln. Dämonen, Drachen, Tentakelmonster, Seelen, die den Körper wechseln, und Steine, die letzteres ermöglichen. Leider ist all das in meinen Augen so kompliziert, dass ich am Ende nur noch nicken konnte. Frei nach dem Motto, die Charaktere sind erschüttert, also bin ich das jetzt auch, auch wenn nur ganz grob erahne warum eigentlich.

Hinzu kommt, dass ich keine wirkliche Entwicklung der Charaktere feststellen konnte. Kihrin wird von einem halbwegs fähigen, charmanten und immer neugierigen Jugendlichen zu einem sehr fähigen, charmanten und immer neugierigen Mann. Am Anfang werfen sich beinahe alle Frauen die er trifft um seinen Hals und am Ende sind von diesen Frauen kaum noch welche im Spiel. Ein paar sind tot, ein paar treten einfach nicht mehr auf. Das kann zwar die Brille sein, die ich in letzter Zeit trage, aber gestört hat es mich trotzdem. Ist es komisch, dass in einer solchen phantastischen Welt, die sich in einigen Punkten auch sprachlich von unserer unterscheidet, die selben Worte für alles verwendet werden? Wenn hier von „gender“ und „misogyny“ oder „gender work balance“ gesprochen wird, dann finde ich das thematisch cool und wichtig, wünsche mir aber, dass die Sprechenden nicht klingen wie meine Freund*innen, sondern wie Bewohner*innen eines phantastischen Kontinents auf dem Drachen ihr Unwesen treiben.

Ich wünschte das Buch wäre nur halb so lang gewesen. Ich wünschte es hätte mehr Zeit in spannenden Situationen und der Beziehung zwischen Charakteren verbracht. Ich hätte mich gefreut einige Charaktere mehr als einmal zu treffen. Ich wünschte es hätte mir seine Magie erklärt und es wäre nur eine Geschichte gewesen und nicht bis zum Ende zwei, bei denen ich beide Enden schon kannte, nachdem die erste Seite gelesen war.

Ist The Ruin of Kings ein schlechtes Buch? Nein. Ist es auf sämtliche Fallen getreten, die sich bei mir als Pet Peeves eingenistet haben? Absolut. Wer Lust auf ein großes phantastisches Epos hat, mag gerne zugreifen und sollte sich beim Lesen Zeit nehmen. Es massiert das Bedürfnis nach epischer Fantasy ziemlich gut. Das nächste große Ding, welches die Welt verändert, das ist es in meinen Augen nicht. Aber es ist auch das erste Buch von Jenn Lyons und ich möchte gerne lesen, was sie zusammen mit einem gnadenloseren Lektoren schreibt.

Ich durfte ein Leseexemplar von The Ruin of Kings lesen. Das Buch ist bei TOR erschienen und dürfte in jeder guten Buchhandlung zu finden sein, die englische Bücher verkauft. Auf tor.com könnt ihr die ersten 13 Kapitel des Buches kostenlos lesen.

via Nicole Xu
Outro

Ich will noch so viel mehr über The Ruin of Kings sagen, weil ich ein paar Kritiken gelesen habe, die alle sehr positiv sind. Ich habe auch eine gefunden, die meine Probleme teilt. Am Ende zweifle ich daran in einem Text alles sagen zu können, was ich dazu sagen möchte. Ich schätze das ist was gutes? Das Bild da oben kommt übrigens von hier.

Ziemlich lang dieser WEEKLY PLANET. Danke fürs Lesen! Möge eure Woche gut zu euch sein. Wenn nicht, dann dürft ihr sie treten und euch mit einem guten Tee zurückziehen. Das hier ist die offizielle Erlaubnis.

Konzerte

Februar

via Rakoshirako
About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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