Wundersmith und Six Feet Under – Weekly Planet #84

In Weekly Planetby LeleLeave a Comment

Einen frohen dritten Advent wünsche ich. Ich hoffe es ist warm wo ihr seid und mache keinerlei Vorwürfe, wenn ihr heute nicht draußen wart. Möge euer Tee ewig warm bleiben. Es gibt einen weiteren Stutenbiss von Paula, eine Buchkritik und ein oder zwei Links. Ich sitze in meinem alten Kinderzimmer und wenn mein Laptopf am Strom hängt, dann rauschen meine Kopfhörer. Auf geht’s.

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE

Hier ist das Interview mit SUPERORGANISM. Für ALL YOU CAN EAT #145 habe ich mal wieder die Playlist mitgeschrieben. Im aktuellen NERD FEUILLETON unterhalten sich Maurice und Clemens über She-Ra, Stranger Things und Weihnachten. Eine wirklich schöne Folge. Das ALL YOU CAN EAT Interview für die kommende Woche ist eins mit Womans Hour. Ich schätze das Interview ist von 2014, damals hat die Band ihr erstes Album Conversations rausgebracht. Inzwischen hat sich die Band aufgelöst. Als letztes Überbleibsel kommt im Februar ein Album namens Ephyra. Freundliche Menschen.

Stutenbiss der Woche

Nr. 2: Ruth Fisher – der heimliche Star von Six Feet Under

In dieser Woche möchte ich der Figur Ruth Fisher, gespielt von Frances Conroy, aus Six Feet Under huldigen.

Die Serie gilt nach The Sopranos als „zweite HBO-Serie“, die mit neuen Erzähl- und Filmtechniken produziert wurde. Die Serie beginnt mit dem plötzlichen Tod des Familienpatriarchaten Nathaniel Fisher, der drei (erwachsene) Kinder und seiner Frau Ruth das Beerdigungsunternehmen „Fisher & Sons“ hinterlässt.

Ruth und Nathaniel haben jung geheiratet und Ruth sich um Kinder und Haushalt gekümmert. Mit dem Tod ihres Mannes verliert die eher schüchterne Frau nicht nur ihre große Liebe, sondern auch ihren Lebensinhalt. Nun wird die Emanzipationsgeschichte einer erwachsenen Frau erzählt. Das passiert vor allem in der ersten Staffel sehr offensiv. Gelegentlich geht sie mir auf die Nerven, das Vorsichtige, das Übermütterliche, das Fragende und das Emotionale sind mir manchmal unangenehm. Doch gleichzeitig sind das auch Ruths Stärken. Sie versucht ihre Kinder immer wieder aus der Reserve zu locken und lässt sie doch so sein, wie sie sind. Sie versucht einen neuen Lebensinhalt zu finden und verteidigt beispielsweise ihre neuen Beziehungen oder Jobs gegenüber ihren Kindern. Dabei wird sie keine völlig neue Person, bekommt jedoch mehr Selbstbewusstsein und lernt für sich sowie ihre Interessen einzustehen. Besonders schön sind die Folgen mit Kathy Bates als ihre Schwägerin in spe, die mit ihrer direkten und selbstbewussten Art ein Gegenstück zu Ruth darstellt.

Frances Conroy porträtiert Ruth Fisher mit unfassbarem Feingefühl und großer Stärke, dass ich zudem angefixt bin, mehr Filme mit dieser Schauspielerin zu schauen. Vielleicht ein Vorsatz für 2019?

Ich habe die letzte Staffel der Serie noch nicht gesehen, darum bin ich noch sehr gespannt, wie es mit Ruth weitergeht. Wird sie ihre Ehe mit dem Einzelgänger George retten können? Muss sie sich selber retten? Die Figur Ruth Fisher ist wohltuende Ergänzung im Zeitalter Haudrauf-Frauen-Emanzipationsheldinnen á la Jessica Jones und Co die wir auch dringend benötigten, aber oft an der Realität vorbeierzählen.

Paula ist ne coole Socke. Ihr könnt sie hier finden und ihr Arbeit geben.

via Guy Warley

Lesestoff

via Cleonique

Wundersmith: The Calling of Morrigan Crow von Jessica Townsend

Am Ende von Nevermoor: The Trials of Morrigan Crow wird erklärt, warum Morrigan besonders ist, warum sie Teil der geheimen „Wundrous Society“ werden soll und das ganze obwohl sie gar keine offensichtlichen besonderen Fähigkeiten hat. Sie ist ein sogenannter „Wundersmith“, sie kann eine magische Essenz, die hier als „Wunder“ bekannt ist, beeinflussen, weben und aus ihr fantastische Dinge machen. Das wäre alles doppelt so cool, wenn ihre Vorgänger*innen nicht als Massenmörder oder brutale Künstlerinnen bekannt wären. Der zweite Teil in der Serie von Jessica Townsend dreht sich demnach viel um die Art und Weise, wie die Gesellschaft um Morrigan herum auf sie reagiert.

Weil der Vergleich offensichtlich ist, ziehe ich ihn gleich am Anfang. Die Parallelen zu Harry Potter waren im ersten Buch absolut offensichtlich und teilweise etwas nervig. Da ist der ältere Mentor, der seinem Schützling nichts erklärt, da ist die Gesellschaft von quasi Zauber*innen, die der Hauptperson sehr skeptisch gegenüber stehen und in dieser Fortsetzung geht dann auch noch die Schule los. Morrigan hat sogar extrem langweiligen Geschichtsunterricht! Jedoch hören hier die Parallelen auf und „Wundersmith“ steht von nun an auf eigenen Beinen.

Die Gesellschaft in Nevermoor, dem Land in dem Morrigan im ersten Buch gelandet ist, hat absolute Furcht vor den Menschen, die Wunder beeinflussen können. Daher darf Morrigan außer einem Kurs über die Geschichte der „Wundersmiths“ keine weiteren belegen. Sie könnte ja zu einer Waffe werden und sowieso war es schon immer besser Menschen mit besonderen Fähigkeiten beschissen zu behandeln, sie werden dann bestimmt nett und nie etwas böses tun. Ihr Lehrer in diesem Fach ist eine gigantische Schildkröte, eine mürrische, schlecht gelaunte, Wundersmiths hassende und sehr alte Schildkröte. Hier lernt Morrigan welche Verbrechen ihre Vorgänger*innen begangen haben. Das tut ihrem Selbstwertgefühl natürlich weniger gut und ist ein großer Faktor für die Entwicklung unserer Heldin, die auch in diesem Buch so einiges durchmachen muss.

Schulklassen in der Wundrous Society sind in kleinen Gruppen organisiert, diese gehen gemeinsam durch ihre Schulzeit und ihr darauf folgendes Leben. Sie sollen zusammenhalten und idealer Weise Freund*innen werden. Die Gruppe von neun sehr verschiedenen Kindern soll außerdem geheim halten, dass Morrigan ein Wundersmith ist. Die Neuigkeiten würden die Society und den Rest von Nevermoor in Chaos stürzen. Bis auf Hawthorne, einen drachenreitenden Tunichtgut und Morrigans besten Freund, sind ihre Mitschüler*innen Morrigan nicht sehr freundlich gesonnt. Als die Gruppe dann auch noch um ihr Geheimnis erpresst wird, steigt unsere Heldin nicht unbedingt in der Gunst ihrer Gefährt*innen.

Dann ist da noch Ezra Squall, der große, manipulative Bösewicht und Wesen mit magischen Fähigkeiten werden entführt. Ein Schelm wer da einen Zusammenhang vermutet. Wundersmith ist eine wunderbare Fortsetzung. Es geht zügig voran, die Welt, die Townsend beschreibt ist weiterhin abgefahren und wunderbar. Hier werden Hotels geflutet, um extravagante Parties auf Schiffen zu feiern und es gibt Straßen, die dafür sorgen, dass Spazierende sich übergeben müssen, wenn sie nicht zügig rückwärts wieder rausgehen. In dieser Welt stecken ein Haufen Ideen, die alle faszinieren und unterhaltsam sind.

Morrigan Crow ist eine wunderbare Heldin. Sie hat es wirklich nicht leicht und das Misstrauen und die Abneigung, die ihr entgegen gebracht werden, sind beschissen. Hier ist es sehr angenehm, dass es sich um ein Kinderbuch und keine Young Adult Geschichte handelt, Morrigan nölt nur sehr selten ein bisschen und dann gerechtfertigt. Das Buch dreht sich viel um Familie, um Vertrauen und um den Moment, indem sich eine Person entscheidet sich einer anderen anzuvertrauen oder nicht. Hier wiederholt Townsend leider immer wieder die gleiche Formulierung. Morrigan traut sich lange Zeit nicht sich ihrem Quasi-Vater Jupiter anzuvertrauen, weil sie sich nicht sicher ist, ob ihre Sorgen berechtigt sind. Hinzu kommen die Gruselgeschichten über ihre Vorgänger*innen, die zum Teil wirklich schlimme Sachen(TM) angestellt haben. Ich schätze zukünftige Bände werden sich intensiv damit auseinandersetzen wie Morrigan mit ihren Kräften und ihrer Rolle zurecht kommen wird.

Wundersmith: The Calling of Morrigan Crow ist eine feine Fortsetzung zu einem schönen Buch. Ich kann beide sehr empfehlen und bin sehr gespannt, wie es weiter gehen wird. Als Buch in der Mitte bewegt dieses so einige Figuren an wichtige Orte und gibt Hinweise auf ein größeres Übel. Es ist eine wirklich schöne, runde Sache.

Ich habe ein Leseexemplar gelesen. Den ersten Teil gibt es inzwischen auch auf Deutsch. Den zweiten bisher nur auf Englisch. Unterstützt euren lokalen Buchladen und gönnt euch mal ein Kinderbuch! Ja die Cover sehen schrecklich aus, sorry!

Poster von Lele
Poster von Lele

Outro

Nächste Woche werden die Om Nom Nom Awards für unsere Lieblingsmedien vergeben. Das wird einen Großteil des Newsletters einnehmen. Danach mache ich eine Pause bis zum 6.1.2019. Genießt die Woche und lasst euch nicht ärgern. Das Bild ganz oben kommt von hier.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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