Om Nom Nom Awards 2018

In Weekly Planetby LeleLeave a Comment

In zwei Tagen ist dieses Jahr vorbei, das von einigen als das längste Jahr bezeichnet wird. Es war in vielerlei Hinsicht ein beschissenes, aber auch ein gutes Jahr. So wie jedes andere davor und danach es auch sein wird. Platitüde, Platitüde. Wir haben uns gedacht, dass wir euch auch ein paar unserer Lieblingsdinge mit auf den Weg ins neue Jahr geben wollen. Nichts ist besser als der Backlog oder der Stapel an Büchern, die es zu lesen gilt. Nicht, dass dieser jemals kleiner werden würde.

Daher präsentiere ich auch dieses Jahr: Die Om Nom Nom Awards 2018 für unsere (von DRAGONS EAT EVERYTHING) Lieblingsdinge! Diesmal kommen sie nicht nur von Lele (dritte Person ist doof), sondern auch von Maurice.

Om nom nom Awards 2018 – Maurice

1.1 Beste Musik – rausgekommen 2018

Tristan Brusch – „Paradies“
Tristan Brusch ist ein merkwürdiger Typ. Nicht in einem „Ha Ha“-Sinne sondern eher in einem „Das sollte zusammen gar nicht funktionieren“-Sinne. Aber von dem ersten Song bis zu seinen Live-Auftritten funktioniert irgendwie alles. Sein Album mit dem verheißungsvollen Titel „Paradies“ ist dieses Jahr nie aus meiner Heavy Rotation rausgefallen. Ich höre Tristan wenn ich traurig bin. Ich höre Tristan wenn ich glücklich bin. Es ist das beste was mir deutschsprachige Musik geben kann. Kitschiger Gesang an der Grenze zum Schlager (jedoch noch weit genug davon entfernt), gepaart mit echter Poesie.

TWRP – „Together Trough Time“
Das diese Band nicht bekannter ist, ist eines der größten Verbrechen unserer heutigen Zeit. TWRP – oder auch Tupper Ware Remix Party – machen elektronische Musik mit einer gehörigen menge Autotune und Spaß. Nicht nur treten sie in wundervollen Kostümen auf und haben Namen wie „Commander Meouch“ und „Lord Phobos“, ihre Musik ist auch noch ganz fantastisch. In ihrem neuen Album haben sie Kollaborationen mit „The Protomen“ und „Ninja Sex Party“ gemacht, was in sich ja schon ganz abgefahren ist.

1.2 Beste Musik – 2018 entdeckt

ミラクルミュージカル – Hawai: Part II
Ich kann den Namen der Band nicht mal aussprechen, geschweige denn die Musik beschreiben. Der Name ist praktisch mi-ra-ku-ru myu-ji-ka-ru, direkt übersetzt Miracle Musical. Es ist eine Art Musical, aber auch ein experimentelles Konzeptalbum. Teilweise machen Mitglieder der Band Tally Hall mit, aber das ist auch alles was ich dazu schreiben kann. Die Musik ist wie nichts, dass ich irgendwo schon gehört hätte. Das Album ist 2012 erschienen und seitdem gibt es nichts Neues. Schade eigentlich.

Beste neue Filme 2018

Spiderman – Into the Spider-Verse
Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe mitgefiebert. Ich kann mich an keinen Film erinnern, der so einen schönen Artstil hatte, so eine Variation an Charme und Drama, und alles auch noch in Perfektion zusammengebracht hat. Als ob das noch nicht genug wäre, handelt es auch noch von meinem Lieblingssuperhelden und schafft es erstmals den Charakter so darzustellen, wie er immer in meinem Kopf war. Und Nicolas Cage ist dabei. Ich brauche mein Asthma-Spray, so awesome ist das.

Om nom nom Awards 2018 – Lele – Bücher

Laut goodreads habe ich in diesem Jahr 55 Bücher gelesen. Da waren verdammt gute Sachen dabei. Hier sind ein paar, die ich euch ans Herz legen möchte, egal ob sie dieses Jahr erschienen sind oder wann anders.

Kings of the Wyld von Nicholas Eames war so, wie ich mir die beste Runde Dungeons & Dragons meines Lebens vorstellen würde. Ein paar ältere Helden müssen noch einmal los, um die Tochter des ehemaligen Anführers zu retten. Sie rennen von absurder Situation in die nächste, legen die halbe Welt in Schutt und Asche und stellen fest, dass sie inzwischen doch zu alt sind für diese Art von Abenteuer. Ein Fest von einem Buch, dass sich sein Herz trotz der absurden Situationen bewahrt. Mit Bloody Rose hat Eames dieses Jahr dann solide nachgelegt, das dritte wird so einiges entscheiden.

„Oh Anne it aches me thinking that growing adult grinds you so that it’s certified you old enough to run loose you be thereafter constant beset by evil craziness. Every adult I know is mindlost and worsening daylong and I’m crazy enough now.“

Random Acts of Senseless Violence von Jack Womack ist ein Jahr jünger als ich. Es ist eine sehr düstere Geschichte von einem Mädchen, dass in Mitten von Umwälzungen und kommender Revolte in New York überleben muss. Während der Vater seinen Job verliert und die Mutter langsam ihrer Depression erliegt findet sie Freundinnen auf der Straße. Ein Buch in dem der Präsident lieber Golf spielt, als zu regieren. Eine Geschichte in der sich die Sprache der Protagonistin ändert, je weiter weg sie von ihrer feinen Schule ist und das auf eine unvorhergesehene und sehr düstere Art und Weise ein Ende findet. Es ist in so vielen Aspekten so nah an uns dran, dass es mir kalt den Rücken runter läuft.

a long way to a small angry planet von Becky Chambers hat sich einfach von vorne bis hinten gut angefühlt. Ein Buch, dass eine Art von Wärme verbreitet, die etwas besonderes ist, für die ich dankbar bin. Ein Raumschiff fliegt von hier nach da, um ein Loch in den Weltraum zu reißen. Auf dem Weg trifft die Crew andere Kulturen, setzt sich mit sich selbst auseinander, verliebt sich, verliert sich und erlebt ein oder zwei Abenteuer. Space Opera, für Menschen, denen etwas an Charakteren liegt, die auf Inklusivität stehen und die nicht ganz so viel Technikalitäten in ihren Geschichten brauchen.

Dann waren da Tear Gas (Anna Feigenbaum), Necessary Trouble (Sarah Jaffe) und What you are getting wrong about Appalachia (Elizabeth Catte), die mir im Bereich Non-Fiction eine Welt gezeigt haben, in der ich zwar Lebe, die mir so aber in vielen Aspekten nicht bewusst war. Ich sehen jeden Einsatz von Tränengas oder Pfefferspray mit anderen Augen und habe zehn Mal so viel Respekt vor jeder Art von Arbeitskampf. Mal sehen wie es hier weitergeht, wenn jemand Empfehlungen für diese Art von Büchern über Deutschland hat, dann nehme ich die gerne an!

Space Opera von Catherynne M. Valente war ein absolutes Fest. The Last Unicorn von Peter S. Beagle ist so schön wie der Film in meinen Erinnerungen und als Buch vielleicht noch schöner. Nnedi Okorafor hat die Binti Trilogie auf wunderbare Art und Weise zu einem Ende gebracht. Gleiches gilt für Martha Wells und ihre Murderbot Novellen. Ebenfalls beendet ist die Duologie über einen Wüstenplaneten und den darauf stattfindenden Arbeitskampf von Alex Wells, sowohl Hunger Makes the Wolf als auch Blood Binds the Pack waren sehr gut.

Om nom nom Awards 2018 – Lele – Comics

Die Comics in der Liste sind nicht alle in diesem Jahr zum ersten Mal erschienen. Die Ausgaben die ich neben mir liegen habe, sind aber alle in 2018 rausgekommen. Es sind insgesamt sieben Stück. Los geht’s.

Naoki Urasawa ist schon eine ganze Weile dabei und es ist sehr lange her, dass ich 20th Century Boys das erste Mal auf irgendeiner Website gelesen habe. Jetzt bringt Viz eine „Perfect Edition“ raus und ich dachte mir ich springe auf den Wagen auf. Diese Serie hat eine Menge Herz, ist oft etwas verwirrend und schlägt Haken wie sonst kaum eine andere. Es geht um eine Gruppe von Jungs, die einen Geheimbund gründen, der sie Jahre später auf unschöne Art und Weise einholt. Die Geschichte Japans ist verwoben mit der Bedeutung von Erinnerung und Freundschaft, mit dem Willen Gutes zu tun und mit einer große Portion Manipulation.

All Summer Long (Hope Larson), Sheets (Brenna Thummler) und Be Prepared (Vera Brosgol), sind drei Super Sommer Comics. Sie drehen sich um Freundschaft, Verlust, Abenteuer, ums Erwachsenwerden und um neue Wege. Es gibt ein Spa für Geister, eine Band am Horizont und einen Elch auf einer Lichtung, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Alle drei sind wunderbar illustrierte und inhaltlich sehr vielseitige Geschichten über junge Frauen/Mädchen, die erwachsen werden. Wo sind die Kids denen ich diese tollen Comics andrehen kann?

The Divided Earth von Faith Erin Hicks ist ein beinahe perfektes Ende für ihre Nameless City Trilogie. Rat und Kai sind mir sehr ans Herz gewachsen und die beiden müssen in diesem Band noch mal so einiges durchmachen. Außerdem gibt es die eine oder andere Überraschung, ein Wiedersehen, eine verständliche Motivation für alle Beteiligten und eine wundervolle Bösewichtin.

Silver Spoon von Hiromu Arakawa ist mein absoluter „feel-good comic“ des Jahres. Die Geschichte von einem jungen Mann, der auf eine „Agricultural High School“ geht, weil er keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben anfangen soll, ist so voller Herz, dass ich jeden Band mindestens drei mal gelesen habe. Bisher sind sechs Bände erschienen, von fünf davon kann ich schwärmen. Nicht nur sind die Einblicke in Landwirtschaft und den Umgang mit diversen Tieren faszinierend, der Humor ist großartig und ich kann Hachikens Zweifel und Sorgen um seine Zukunft so sehr nachvollziehen.

Zum Abschluss noch Young Frances von Hartley Lin. Diese Sammlung von Comics, die sich um Frances und ihr Umfeld drehen ist wunderhübsch anzusehen und schafft es auf geniale Art und Weise die Absurdität und Unsicherheit eines Alltags einzufangen. Frances arbeitet in einer Anwaltskanzlei, ihre Mitbewohnerin schafft den Durchbruch in Hollywood und vielleicht sollte Frances auch nach L.A.? Sowohl in stillen als auch in lauten Szenen fängt Lin New York mit seinen einfachen aber detaillierten Strichen ein und macht jeden Menschen mit einem „Brush Pen“ ein Feuer unter dem Hintern.

Alles in Allem also ein fantastisches Jahr für bedrucktes Papier, Ohren und Augen. Mehr Musik gibt es demnächst, wenn die letzte Ausgabe ALL YOU CAN EAT mit Playlist am Start ist. An dieser Stelle ist das vermutlich der längste WEEKLY PLANET überhaupt. Kommt gut uns neue Jahr, lasst euch nicht ärgern und möge das kommende Jahr voll mit den Büchern/Comics/Filmen/Alben sein, auf die ihr schon lange wartet.

Wir bedanken uns fürs zuhören, fürs lesen und da sein. DRAGONS EAT EVERYTHING werden auch 2019 fleißig sein.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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