Weekly Planet am 09.02.2018 – Songs fürs Herz

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Manche Songs sind geradezu gemeingefährlich. „Total Eclispe of the Heart“ ist einer davon. Hier läuft gerade die Protomen Version aus ihrem fiktiven Soundtrack The Cover-Up. Ich werde des restlichen Tag durch die Gegend gehen und immer wieder „… every now and then I fall apaaaaaaaart…“ singen. Und ihr jetzt auch, HA, folget mir, es ist Zeit für den Weekly Planet!

Was braucht es, damit ein Song klick macht? Damit er nicht mehr verschwindet, Teil von euch wird. Damit er nicht mehr immer im Vordergrund steht, aber ein bestimmter Moment, ein Gefühl, ein Geruch ihn in die Ohren schleichen lässt? Ist es der Text, die Melodie? Kann ich als Musiklaie überhaupt so etwas wie eine Melodie entdecken und separat von den anderen Dingen betrachten? Ich habe vor kurzem eine Playlist erstellt die da heißt: „Songs that made me“. Sie ist unvollständig, funktioniert eigentlich nur in dem Moment in dem ich sie gemacht habe und ich bin unzufrieden mit ihr. Es sind zu viele, gleichzeitig wären nur zehn Songs nicht realistisch. Oh, wie kommt dann eigentlich neue Musik dazu? Es gibt einen neuen Gulfer Song und es ist ein sehr guter. Aber er kann nur auf der Website gehört werden und ich bin schon wieder woanders. Gerade erklingen die wundervollen Slut. Einst in Tagen von Schulradio nannte eine Moderatorin den Namen der Band in der großen Pause „unorthodox“. Sie war die einzige, deren Fähigkeiten je explizit von meinen Mitschüler*innen gelobt wurden. Logisch, ich war eher dafür bekannt Slipknot zu spielen.

Den Song habe ich mal im Tiefgrund gehört. Letzter Song im Set, letzter Song auf dem Album, so lief er danach in Dauerschleife. Ganz oben sind Ratboys zum hören angeboten, vielleicht entwickle ich eine Beziehung zu diesem Album, was überall hoch und runter gelobt wird, wenn ich die Band mal live sehen kann. Vorher schwebt es in meiner Peripherie durch die Gegend, wartet auf den abendlichen Nachhauseweg auf dem es endlich After Laughter oder den Shuffle-Modus verdrängt und seinen Weg zu meinen Gefühlen ebnet. Aber verdammt noch mal, wie soll irgendein Song jemals gegen Farin Urlaub ankommen?

As many have pointed out, algorithms encode the biases of those who program them, and amplify the biases inherent in whatever the data sets they draw on.reallifemag.com

In Puerto Rico sammeln sich die Menschen, die sich an den Bitcoin klammern. Crypto Utopia nennen sie es. Die Bilder sind beinahe gruselig und es ist nicht zu vergessen, dass sich hier superreiche niederlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, was da gutes draus folgen soll. Politico schreibt Roboter und deren Einfluss auf Wahlen und Facebook weiß wer wir sind, denn wir haben eigenen Staub auf den Linsen unserer Kameras. Das Internet war einst frei. Wusstet ihr schon, dass Alexa von sich behauptet Feministin zu sein? Macht das einen Unterschied, wenn die gute Maschine trotzdem nur Wünsche ausführt und keine eignen Antrieb hat? Wie gesagt, Algorithmen sprechen die Sprache der Menschen die sie geschrieben haben. Und in Zeiten in denen Google verklagt wird, weil der Betrieb anscheinend gegen weiße, konservative Männer diskriminiert, dürfte diese Sprache durchaus den einen oder anderen Bias enthalten. Ich weiß, Google und Amazon sind zwei verschiedene Pickel. Kluge Köpfe haben einen Weg gefunden Aufforderungen an die klugen Lautsprecher in Songs zu verstecken. Schon gut, wenn der Lieblingssong deine „feministische Hausfrau“ dazu auffordert ein wenig Geld zu überweisen.
Als Medizin gegen diese düstere Zukunft empfehle ich einen Blick durch die Ellies, einen Award für Online und Print Publikationen. Da sind fantastische Dinge dabei, die sonst ganz leicht unter dem eigenen Radar entkommen. Da wäre diese Ausgabe der New York Times die sich mit Gesundheit auseinandersetzt und für die Siddhartha Mukherjee einen Artikel über Krebs geschrieben hat. Keiner schreibt so gut über den Herrscher der Krankheiten. Auch großartig sind die nominierten Fotogallerien. Mir fällt kein besseres Wort ein. Noch einmal die New York Times und dann National Geographic über Geier. Das sind alles so unglaublich schöne Bilder.

When straight people imagine coming out they imagine a tearful, dramatic revelation all at once, but Alex’s story is like mine: by degrees, when it’s safe, when it’s too late for them to ruin your life. Coming out is brave not because it is vaguely “scary,” like a school play; it is brave because it is dangerous. Some people get violent; some punish you financially; some just love you a little less, forever. You let them see the little fraction of yourself that you can trust them with, because you’ve learned love is almost always conditional. Surviving is brave, too.Anthony Oliveira
Uma Thurman über Quentin Tarantino, heilige Scheiße. An der Stelle möchte ich diesen Artikel noch einmal einfügen und alle männlichen Lesenden zu einer kleinen Introspektive aufrufen. Lasst uns kurz wütend bleiben. Eine Journalistin hat Chimamanda Adichie, eine sehr erfolgreiche nigerianische Autorin, gefragt ob es in Nigeria eigentlich Buchläden gibt. Es war wohl eine ironische Frage. Autsch. Bei Hazlitt schreibt Anthony Oliveira herzzerreißend gut über einen Serienmörder in Toronto, der anscheinend größtenteils LGBTQA* Menschen getötet hat und über die Beziehung der Menschen die sich von der Polizei keinen Schutz erwarten.
Die folgenden Dinge hängen nur lose, wenn überhaupt, zusammen. Bryan Washington schreibt über Tattoos und den schwarzen Körper. Ursula K. Le Guin liefert Tipps für Autor*innen. Wissenschaftler entdecken eine gigantische Stadt unter einem Dschungel in Guatemala. Der afrikanische Staat Benin setzt sich mit seiner Vergangenheit im Sklavenhandel auseinander. Und was bedeutet eigentlich Kolonialismus? BoJack Horseman wird nur von weißen Menschen gesprochen, obwohl es POC als Charaktere gibt. Wenn Raphael Bob-Waksberg die Sache noch mal anfangen könnte, dann würde er es anders machen. Ein Jahr ohne Orgasmus. Der Einfluss einer Band auf alles was danach kam. Die Frau hinter Sci-Hub. Und ein absolut abgefahrenes Interview mit Quincey Jones, verdammt der Typ hat Sachen erlebt.


10 Wichtige Songs

AJJ – Skate Park
Prawn – Slaying a Paper Tiger
The Gaslight Anthem – The Backseat
Lumber Lung – Vomit a Little in Your Mouth
Spring Offensive – Worry Fill my Heart
Julien Baker – Rejoice
The Divine Comedy – Tonight We Fly
Paramore – Caught in the Middle
Die Ärzte – Wie es geht
Modern Baseball – The Weekend

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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