Review: Blood Binds the Pack von Alex Wells

In Bücher zum Lesenby LeleLeave a Comment

Zukunftsvisionen, in denen große Konzerne die Gesellschaft kontrollieren, den Konsens gestalten und sowieso alles in der Hand halten, die gibt es wie Sand am Meer. Anfang des Jahres habe ich Hunger Makes the Wolf von Alex Wells gelesen und für DEE besprochen. Es ist ein angenehmes Gegenstück, gegen die hyperkapitalistische Zukunft, die so oft beschrieben wird. Der zweite Band in der Reihe, Blood Binds the Pack setzt dort an, wo der Erste aufgehört hat und baut in großartiger Art und Weise darauf auf.

Tanegawas World ist eine Art Wüstenplanet und TransRift Inc. hat ihn fest in seinen Händen. Hier hat der Konzern vor langer Zeit Metalle und Stoffe entdeckt, die ihm ein Monopol auf die Reise zwischen Planeten ermöglicht haben. Auf dem Planeten herrschen sonderbare Bedingungen, das Wetter macht Kommunikation sehr schwierig und stört die meisten technischen Geräte. TransRift hat mit Hilfe der Weathermen einen Ausweg gefunden. Weathermen sind genetisch modifizierte Wesen, mit dem Planeten eng verbunden, ermöglichen die Reise durch den Weltraum und generell absolut abscheuliche Wesen.

Die Arbeitenden, die besagte Metalle und Stoffe aus den Tiefen des Planeten schürfen, werden beschissen behandelt und der letzte Band endete mit zunehmender Organisation, Widerstand und den Gedanken an eine Gewerkschaft. Angeführt werden sie unter anderem von Mag, einer absolut toughen jungen Frau. Mag hat im letzten Band ihre Familie an den Konzern verloren und nach einem Zusammenstoß mit einem Weatherman sonderbare Fähigkeiten entwickelt, die es ihr erlauben die Gedanken und Handlungen anderer Menschen zu beeinflussen und zu lenken. Weil die Minenarbeiter*innen nicht offensichtlich gegen den Konzern vorgehen wollen und können, bezahlen sie die Ghost Wolves für den einen oder anderen Überfall.

Rob Havani ist Anführerin der Wölfe, die auf solarbetriebenen Motorrädern durch die Wüste düsen und die sobald sie einen Wolfsnamen bekommen ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Auch sie hat besondere Fähigkeiten, sie steht dem Feuer sehr nahe. In Kooperation mit einer weiteren wundersamen Figur haben die Wölfe den letzten Weatherman ausgeschaltet und unterstützen Mag und die Mienenarbeiter*innen weiterhin so gut es geht.

Neben Hob und Mag folgt das Buch auch noch Shige, einem Regierungsspion, der TransRift infiltriert hat, um deren düsteren Machenschaften ans Licht zu bringen. Shige spielt die Rolle der Regierungsperson, die meint das richtige zu tun, die dafür Menschen wie Schachfiguren opfert und dabei glaubt, immer alles unter Kontrolle zu haben. Ein angekündigter Inspektor soll dafür sorgen, dass TransRift nun endlich zur Rechenschaft gezogen wird. Um den perfekten Moment für das Eintreffen eines Inspektors zu schaffen, schürt Shige den Konflikt zwischen Arbeiter*innen und Konzern.

Alex Wells bedient sich dabei den Taktiken, die vor einigen Jahrzehnten gegen Bergarbeiter* innen in den USA oder England angewendet wurden. Es gibt neben Gewaltandrohungen und -ausübungen eine neue Währung, weniger Essen oder Trinken und generell werden die Arbeiter* innen wie Vieh behandelt. Wells schafft es auf eindrückliche Art und Weise den Arbeitskampf in die Zukunft zu übertragen. Trotz Organisationsprozess und Diskussionen wird der Akt des Wiederstandes nie langweilig. Es ist kein Problem mit den Arbeitenden zu fühlen und zu leiden. In diesem Punkt ist sind die beiden Bücher in meinen Augen einzigartig. Ich kenne kaum eine andere Science Fiction Serie, die sich überhaupt explizit mit dem Thema Arbeitskampf befasst. Blood Binds the Pack ist beeindruckend in der Fähigkeit ein Thema, das auch heute noch sehr relevant ist, an einen anderen Ort zu transportieren und Schrotflinten, Motorräder und coole, teilweise queere, Frauen in den Mix zu werfen.

„They took my girl, and they’re gonna work her to death out there so bosses can talk about how much fuckin‘ money they made. So you fuckin‘ will. You tell me why.“ The pressure of Mag’s fingers increased until Hob felt her bones creak. „‚Cause I’m Hob fuckin‘ Ravani.“ she said, her voice hoarse with that small pain that seemed so stupid beside everything else. „And I ain’t ever given up.“

Blood Binds the Pack ist großartig, weil es sich mit Kooperation und demokratischen Abstimmungen befasst. Das Buch spricht für den Widerstand gegen schlechte Behandlung und den Kampf für menschlichen Umgang. Das Buch hat eine klare Ansicht diesbezüglich und plädiert ohne Entschuldigungen für Gewerkschaften und die Organisation von Arbeitenden. Das ist nicht nur sehr gut, sondern auch mal etwas anderes. Keine Sorge, es wird nie langweilig oder zu viel.

Neben den gesellschaftlichen fragen stehen die Charaktere, die hier etwas mehr Raum bekommen, als im ersten Buch. Mag setzt sich intensiv mit ihren Fähigkeiten auseinander, sie ist sich unsicher, ob sie unbewusst ihre Mitmenschen überzeugt oder bewegt. Hob muss mit ihren eigenen Gefühlen ins Reine kommen, die sie Anfangs wegen schlechten Erfahrungen nicht zulassen möchte. Blood Binds the Pack hat viel zu bieten und Hunger Makes the Wolf ebenso. Es ist eine beeindruckende Duologie (?) die Alex Wells hier geschrieben hat und ich freue mich auf das was da noch kommen wird.

Beide Bücher sind bei Angry Robot erschienen. Ich habe mir beide gekauft. Ein Buchladen eurer Wahl dürfte zwei Wochen brauchen, bis das Buch da ist.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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