The Raven Tower

The Raven Tower von Ann Leckie

In Bücher zum Lesenby LeleLeave a Comment

The Raven Tower ist ein kurioses Buch. Ann Leckie hat bisher nur Science Fiction geschrieben. Da ging es um intergalaktische Konflikte, Fragen von Persönlichkeit und große Raumschiffe, die plötzlich Personen sind. Ebenso wie in ihren Bücher im Weltraum, in denen sie viel mit Pronomen gemacht hat, spielt die Sprache auch in diesem Buch eine große Rolle.

Das Buch dreht sich um Eolo. Er ist als Berater von Mawat, dem Nachfolger eines lokalen Herrschers, tätig. Besagter lokaler Herrscher steht in direkter Verbindung zu einem Gott, dem Raben. Die beiden kommunizieren über einen tatsächlichen Raben, das „Instrument“. Wenn dieses stirbt, muss sich die Person, die mit dem Raben kommunizieren konnte das Leben nehmen. Nun ist Mawats Vater verschwunden, ohne sich für den Gott zu opfern. Eine Tatsache, die Mawat zutiefst erschüttert und die er konstant in Frage stellt. Eolo findet sich in der Rolle eines Detektivs wieder, der versucht aufzuklären, was genau vorgefallen ist, um seinem Herren zu helfen.

Diese gesamte Geschichte wird Eolo erzählt, was für eine interessante Perspektive sorgt. Erzähler ist ein anderer, sehr alter Gott, der einem Stein innewohnt. Dieser erzählt Eolo nicht nur, die besagte Geschichte, sondern auch seine eigene. Er beschreibt wie die Kräfte, der in dieser Welt ansässigen Götter, funktionieren. Wie sie Sprache nutzen um Dinge geschehen zu lassen. Er erzählt immer nur in Form von, „ich habe gehört, dass“ oder „man sagt, dass“, da er als Gott in der Lage wäre, mit einfachen Worten etwas geschehen zu lassen oder ganz grundlegend zu erschaffen. Etwas wirklich werden zu lassen kostet einen Gott Kraft und mehr Kraft bekommt ein Gott beispielsweise durch Gebete oder Opfergaben. Daher die Aufgabe des Herrschers sich zu opfern, wenn das Instrument stirbt. Es gibt dem Raben Kraft.

Leckies Umgang und Diskurs um Sprache in diesem Buch ist faszinierend. Sei es die Vorsicht in der Verwendung von Redewendungen oder ganz grundlegend die Art und Weise wie die Charaktere kommunizieren. Der Gott im Stein lernt seine eigenen Gedanken in Sprache zu fassen und darauf hin die Konsequenzen seiner Aussprachen. Leckie schafft es diese Welt lebendig und sehr umfassend zu machen. Hier vertrauen Menschen in ihrem Alltag auf die Hilfe diverser Götter. Sie machen sich um gewisse Dinge keine Sorgen mehr, da sie in den einen oder anderen Gott vertrauen, der sie beispielsweise vor schlechtem Wetter oder einer Seuche beschützt. Auch an diesem Punkt ist viel Raum für Konflikte.

Ich habe The Raven Tower mit einer großen Pause gelesen. Beim ersten Mal war es nicht das richtige. Das Buch braucht eine Weile, um Fahrt aufzunehmen. Der zweite Versuch war dann aber der richtige und wurde von einem fantastischen Ende belohnt. Das Buch ist hiermit klar empfohlen, wenn Mensch Interesse an Fantasy hat, die weder große Schlachten noch epische Heldensagen enthält. Es ist eine sehr lokale, eher ruhige Geschichte, die sich mehr mit den Schicksalen einzelner beschäftigt, als mit der Rettung einer Welt. Und das ist mal was anderes.

Ich habe eine Leseexemplar gelesen. Das Buch ist inzwischen als Taschenbuch erschienen. Wenn ich diese Besprechung so lese, fällt mir auf wie holprig ich gegenüber Ann Leckie schreibe. Kein Wunder.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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