Fat Suits vs Unicorn Fight Squad – WEEKLY PLANET #91

In Weekly Planetby LeleLeave a Comment

Es war eine gute Pause. Letzte Woche habe ich auf einem Winterfest UNO gespielt und auch mal gewonnen. Gestern sind alle Menschen auf einmal aus ihren Häusern gekommen, um ein wenig Sonne abzubekommen. Ich habe mich erst gewundert und dann wurde ich darauf hingewiesen, dass Samstag sei und das somit voll okay und normal wäre. Hätte ich auch selbst drauf kommen können.

Heute gibt es einen Stutenbiss über Fat Suits, ausgewählten Lesestoff und zwei Comicbesprechungen. Genauer geht es um Unicorn Fight Squad und Bloom. Paula tritt außerdem bildlich auf! Woha! Viel Spaß mit dieser Ausgabe und wie immer, wenn es Feedback git, dann gerne her damit! Danke fürs Lesen!

DRAGONS EAT EVERYTHING UPDATE

Wenn der WEEKLY PLANET eine Woche aussetzt, dann passiert bei uns gleich doppelt so viel. Das hier ist die Playlist für die 149. Sendung ALL YOU CAN EAT. Im letzten NERD FEUILLETON haben Clemens und Maurice über Titans, Polar und Russian Doll gesprochen. Das ALL YOU CAN EAT Interview in der letzten Woche drehte sich um Gulfer aus Kanada. Und im ANDEREN MITTWOCH habe ich ein paar Songs zusammengestellt, die in der letzten Sendung keinen Platz gefunden haben.

via CLEA
Lesestoff

Basically then chivalry and the chivalric code has fuck all to do with women at all. It’s a bunch of rules about how to conduct yourself if you are a rich dude, with a horse, a lot of weapons, and time on your hands. Saying that you treat women well because of chivalry makes about as much sense as saying you treat them well because of the highway code. It’s just not a thing.

  • Stop sneering at our joy, like it’s a careless mistake / Valerie Gritsch über Jeff Rosenstock, den Mosh Pit und Freude auf Konzerten. Ich ärgere mich, das letzte Jeff Rosenstock Konzert auf Grund von Nase und Gesundheit nicht erlebt zu haben. Der Artikel ist wundervoll und macht Lust auf ein nächstes gutes Konzert.
  • Reflecting on my failure to build a billion dollar company / Gumroad ist eine sehr coole Sache. Hier schriebt der Chef der Firma, Sahil Lavingia, über die Entstehung und den Werdegang seiner Firma und beschreibt dabei das, was ich mir für Patreon von ganzem Herzen wünsche. Nämlich eine Firma, die nicht an Investoren gebunden ist, sondern einfach nur das macht, was sie sich vorgenommen hat.
Stutenbiss der Woche
Eine Schöneberger im Fatsuit

Es ist Freitagabend in einem ganz normalen Supermarkt in Deutschland. Die Bierabteilung ist riesig und meine Begleitmenschen wollen sich noch ein Wegbier aussuchen. Da die Entscheidung zwischen ca. 82 Biersorten etwas dauert, schlendere ich in die Zeitschriftenabteilung. Promiklatsch, Lecker vegan genießen, Barbara Schöneberger im Fat Suit, Meghan schön schwanger, jetzt noch mehr Superkreuzworträsel – Moment. Ja richtig gelesen, auf einem der zahlreichen Hochglanzmagazine prangt Barbara Schöneberger, mit bedeutungsvollen Blick, auf einem grauen Designersessel im beigen Fat Suit. Dazu die Überschrift in gelb und Großdruck „Stimmt was nicht?“. Ja, echt mal stimmt was nicht? Die Ausgabe widmet sich offenbar dem Thema (dicke) Körper, ganz „ohne Problemzonengymnastik“, denn dicke Menschen machen ja keinen Sport. Und damit es auch jede*r versteht muss Barbara Schöneberger in einem Fat Suit postieren. Denn sie ist schlank. Voll witzig. Nicht. Mich irritiert dieses Cover so sehr, dass ich noch nicht einmal die Zeitschrift in die Hand nehme, um nach dem Inhalt zu schauen. Ich stolpere zurück in die Bierabteilung, wo ich etwas verloren zwischen den 82 Biersorten rumstehe, denn ich trinke kein Bier und die Begleitpersonen* haben sich noch immer nicht für eine Sorte entschieden.

Warum dieser Titel höchst problematisch ist erklärt Magda Albrecht hier.

Ich bin in Bezug auf Körper eine privilegierte Person. Ich bin recht schlank (Kleidergröße 38-42), alles sitzt noch recht straff und meine Hautfarbe ist weiß. Trotzdem stört auch mich dieser Titel. Er zeigt wie wenig wir bei diesem Thema voran gekommen sind. Noch immer ist Dicksein etwas besonderes und wenn wir uns mit dem Thema auseinandersetzen dann am besten von der lustigen Seite. (Wie wir alle wissen sind dicke Menschen ja auch generell lustig). Ich finde es ätzend wie weibliche Personen um mich herum, mit ihrem Körper unzufrieden sind, Diäten machen oder sich nicht trauen bestimmte Kleidungsstücke zu tragen. Und auch ich kann die Stimme in meinem Kopf nicht immer abstellen, die die Form oder das Gewicht meines Körpers bewertet. Dazu kommt das aktuell eine der schlimmsten Fernsehsendungen überhaupt in die 14. (!) Staffel gestartet ist. Eine Sendung in der jungen Frauen beigebracht wird, dass sie immer brav gehorchen müssen, dass es es nur ein Körpermodel gibt und Wettbewerb der einzige Weg zum Erfolg ist, denn „Es kann nur EINE Germanys Next Topmodell werden“.

So jetzt ist meine Wut raus, muss ja auch mal sein an dieser Stelle. Damit wir uns jetzt alle wieder beruhigen können gibt es hier den Hinweis auf Charlotte Brandis erstes großartiges Soloalbum und die Band Kala Brisella, deren Schlagzeugerin Anja mit einer solchen Hingabe spielt, wie ich es noch kaum bei einer anderen gesehen habe.

via Yun Ling
Zwei Comics
Bloom von Kevin Panetta & Savanna Ganucheau

Bloom ist eine Coming of Age Geschichte. Es geht um Ari, der wiederwillig in der Bäckerei seiner Eltern arbeitet und eigentlich mit seinen Freund*innen in die große Stadt ziehen möchte. Er will nicht Bäcker werden, sondern mit seiner Band den großen Sprung schaffen. Also schreibt er eine Stelle für einen Aushilfe aus, um Ersatz für sich zu finden. Die Unterstützung heißt Hektor und über kurz oder lang verlieben sich die beiden. Ari muss sich zwischen großer Stadt oder der Bäckerei entscheiden.

via Kevin Panetta & Savanna Ganucheau

Bloom ist sehr hübsch, die Szenen in der Bäckerei erinnern an Shojo Manga. Blumen und ihre Blüten rahmen die Szenen in denen Hektor und Ari gemeinsam arbeiten und sich näher kommen. Der Comic ist in Blautönen gefärbt und auch wenn die Illustrationen manchmal etwas kühl rüberkommen, passen die Farben sehr gut zur Geschichte. Die Zeichnungen selbst sind detailliert, die Charaktere erkennbar und der Lesefluss ist sehr angenehm. Ich fand die Pfeile, mit denen Bewegung dargestellt wurde etwas ungewohnt. Sie haben mich anfangs aus dem Lesegenuss genommen, zum Ende hin hatte ich mich aber an sie gewöhnt. Bloom ist definitiv Young Adult und das ist gut so. Die Charaktere machen eine Entwicklung durch, allen voran Ari, der durchaus Fehler hat und aus ihnen lernt. Zum Ende hin schaffte er es sogar dem Arschloch der Story zu entgehen.

Für mich war Bloom auch etwas besonderes, weil ich die tatsächlich queeren, beziehungsweise homosexuellen Comics in meinen Regalen an einer Hand abzählen kann. Das ist zum einen eine Art Armutszeugnis, aber auch eine Herausforderung in Zukunft eher darauf zu achten. Somit bin ich dankbar für Bloom und die Geschichte, die der Comic mir erzählt hat.

Ich habe mir Bloom gekauft. Wie üblich solltet ihr den Comic entweder im Comicladen eures Vertrauens finden oder zwei Wochen auf die Bestellung warten müssen. Bloom ist bei First Second erschienen.

Unicorn Fight Squad von Christine Larsen

Twink möchte ihre Schwester Jet aufheitern und lockt mit einem Drink und einer guten Band in die Kneipe. Die Vorband des Abends hat jedoch finstere Absichten (Schlangen, Beschwörungen, das Übliche) und die beiden machen sich gemeinsam mit der Baarkeeperin daran die Monster fertig zu machen und mit heiler Haut davon zu kommen.

via Christine Larsen

Jet plagen existentielle Fragen, die sie eher zu Hause lassen wollen. Barkeeperin Cherry muss sich mit sexistischen Gästen rumschlagen und Joe, der Sänger der Hauptband möchte lieber unerkannt bleiben. So werden alle Charaktere in kurzer Manier vorgestellt. Generell verströmt der Comic ein Gefühl von Familie, Punk und Metal, das mir sehr sympathisch ist. Sie vier stehen an der Bar und machen sich über die Anzahl der Verstärker auf der Bühne lustig. Drei von ihnen haben ein einzelnes Horn auf dem Kopf und Joe erinnert mit seinem spitzen Schnabel an einen Storch. Jet trägt einen Helm. Sie sind umgeben von Hunden und anderen anthropomorphen Wesen. Dann legt die Vorband los, Schlangenzombies machen ihren Auftritt und die Truppe muss um ihre Leben kämpfen. Larsen ist sich der Absurdität der Situation bewusst und schafft es ohne Probleme diese auszunutzen, um angenehm kurzweilige Unterhaltung zu schaffen.

Der Comic ist in Schwarz und Weiß gehalten, Texturen werden mit dem digitalen Äquivalent von Rasterfolie dargestellt und das Ganze ergibt ein sehr stimmigen, pulpigen und spaßigen Comic. Christine Larsen zeichnet unter anderem By Night, ein Comic geschrieben von John Allison (Giant Days). Unicorn Fight Squad ist jedoch ein eigenes Ding und was für eins. Ich hatte viel Spaß mit dem kleinen Comic und möchte gerne weitere Abenteuer mit dieser kleinen Truppe erleben.

Ich durfte eine PDF des Comics für diesen Zweck lesen. Ihr bekommt das Heft für 5€ plus Versand (nach Berlin, 5€) hier. By Night sei euch außerdem ans Herz gelegt, ebenso wie die anderen Dinge, die Christine Larsen so produziert.

Kousuke Oono’s Manga über einen Yakuza, der zum „House Husband“ wird erscheint Ende des Jahres bei VIZ.
Outro

Ich habe die Woche The Nickel Boys von Colson Whitehead gelesen. Das Buch kommt im Laufe des Jahres und dreht sich um zwei schwarze Jungs auf einer Reformschule im tiefen Süden der USA. Der eine ist großer Fan von Martin Luther King Jr. der andere hat den Idealismus bereits verloren. Ich schreibe noch eine zeitnahe Kritik, aber ich würde dazu raten das Buch auf die „Das will ich lesen Liste“ zu schreiben. Es ist kurz, knackig, tragisch und sehr schön geschrieben.

Dabei ist mir aufgefallen wie wenig Belletristik abseits vom Genre ich lese. Aber hey, ich habe diese Woche auch einen seltenen schwulen Comic in meine Sammlung aufgenommen. Es geht voran. Selbiges wünsche ich euch auch. Möget ihr Dinge entdecken, die euch sonst nicht über den Weg laufen. Und auf das sie dann auch noch wirklich gut sind. So wie Bloom und The Nickel Boys. Das Bild ganz oben kommt von hier.

About the Author

Lele

Wurde von einer Horde wilder Otakus aufgezogen und hat sich danach der westlichen Comicwelt gewidmet. Leles Spinnensinn klingelt wann immer jemand fragt „Warum heißt er eigentlich BATman, wenn er doch eigentlich der Gute ist?“. Er bringt eine umfangreiche Erfahrung in der Comicindustrie mit und die teilt er gerne mit jedem, egal ob er nun davon hören will oder nicht. Immer gut gelaunt spezialisiert sich Lele neben den Comics vor Allem auf Musik. Falls es eine japanische Underground-Band gibt, in der 4 Schulmädchen auf Gummihühner die Werke Mozarts nachspielen, so hat Lele schon ein Interview geplant, ein T-Shirt der Band im Schrank und ein Tattoo der Frontsängerin auf seinem Knöchel. „Also ich habe ja die Bücher gelesen…“ – Lele Lucas

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